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07.11.19 - 11:21 Uhr

Bürgerversammlung zum Wohnen in Gießen 2030 bringt keine neuen Erkenntnisse

Aus der Bürgerversammlung der Stadt Gießen zum Thema “Wie wohnen Gießener 2030“ konnten die nur rund 30 Besucher keine grundlegend neuen Erkenntnisse mitnehmen. Bemerkenswert war lediglich, dass der Referent Matthias Günter vom renommierten Pestel-Institut in Hannover betonte, dass alle Prognosen zum Bevölkerungswachstum mit einem hohen Unsicherheitsfaktor behaftet seien.

Ob die Stadt mit ihrer Wohnungspolitik alles richtig macht, darf man bezweifeln. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit verweist die Oberbügermeisterin stolz auf die Zahl der 400 neuen Sozialwohnungen, die jetzt endlich in der Planung bzw. Bauphase sind. Obwohl die Stadt seit Beginn des Jahrzehnts deutlich wächst, hat man im Rathaus allzu lange den Bedarf an neuem zusätzlichem Wohnraum falsch eingeschätzt. Das gilt vor allem bei den öffentlich geförderten Wohnungen für Menschen, die sich auf dem freien Wohnungsmarkt nicht selber versorgen können, weil ihr Einkommen zu gering ist“, erklärt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

„Bis die 400 neuen Sozialwohnungen bezugsfertig sind, wird es wohl noch 2-3 Jahre dauern. Nimmt man das Wohnraumversorgungskonzept von 2016 zur Hand, werden darin im Segment des geförderten Wohnungsbaus 1000-1500 neue Mietwohnungen mit bezahlbaren Mieten bis 2030 für nötig erachtet, das heißt 70-100 pro Jahr. Wenn das der Maßstab ist, befindet sich Gießen bereits jetzt im Rückstand. Die 400 neuen Wohnungen werden auf dem Wohnungsmarkt dringend gebraucht und müssten eigentlich schon 2019 verfügbar sein. Und für weitere Sozialwohnungen müsste die Planung schon beginnen, wenn man die eigenen Zielvorstellungen einhalten will. Das ist aber nicht der Fall“, bedauert man beim Mieterverein.

Ein Grund dafür sei, dass es an städtischem Bauland fehle. Grundstücke auf dem Immobilienmarkt seien inzwischen so teuer, dass sich darauf der Bau von öffentlich geförderten Wohnungen nicht rechne, weil der finanzielle Aufwand zu hoch ist, um am Ende die gedeckelten Mieten zu ermöglichen.

„250 neue Sozialwohnungen will der scheidende Wohnbau-Chef nach eigenen Angaben deshalb „in der Verdichtung erstellen“ lassen, das heißt in der Nord- und Weststadt, wo die Wohnbau den größten Teil ihres Wohnungsbestandes hat. Aber dagegen gibt es zurecht Bedenken im Wohnraumversorgungskonzept. Darin heißt es, dass „in bereits heute sozialstrukturell schwierigen Quartieren eine weitere Konzentration finanziell und oder sozial benachteiligten Haushalte besonders zu prüfen sei.“ Schon jetzt sind die Bemühungen beträchtlich, die beiden Stadtteile davor zu bewahren, dass sie zu sozialen Brennpunkten werden.