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13.06.19 - 09:48 Uhr

Was die neue EU-Richtlinie bei den Wärmemessdiensten ändert

Millionen Mieter bekommen mindestens ein Mal im Jahr Besuch, den sie eigentlich nicht haben wollen. Über einen Zettel an der Haustür erfahren sie davon, dass der Ableser des Wärmemessdienstes kommen wird, um den Verbrauch von Wasser, Gas oder Heizung zu dokumentieren.

Dafür geht dann nicht selten ein halber Arbeitstag drauf, und die nicht eben erwünschte Dienstleistung kostet die Mieter auch noch Geld, 50 bis 100 Euro im Jahr sind je nach Anbieter fällig - Nebenkosten, die Vermieter auf die Mieter umlegen dürfen. Zumindest daran, das ist bereits sicher, ändert sich nichts, auch wenn beim Thema Ablesedienste mit der geplanten Umsetzung der novellierten Energieeffizienz-Richtlinie der EU auch in Deutschland bald einiges besser werden soll.

Der Mieterbund (DMB) verlangt seit Jahren: Die Vermieter sollten die Kosten für die Ablesedienste tragen. "Wir haben hier einen Ausnahmezustand", sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Das Ablesen der Zähler sei eine typische Verwaltungsaufgabe. Verwaltungskosten aber müssten stets die Vermieter tragen, nur bei den Ablesediensten werde eine Ausnahme gemacht, argumentiert er. Doch nicht nur für den IZA, den Spitzenverband der Immobilienwirtschaft, ist dies "kein Thema". Auch das Bundeswirtschaftsministerium teilt lapidar mit: "Die Umlagefähigkeit von Betriebskosten ist nicht Gegenstand der Novellierung des Energieeinsparrechts für Gebäude und der anstehenden Novelle der Heizkostenverordnung." Mieter müssen also weiter zahlen.

Trotzdem wird sich für sie genauso wie für Vermieter in Zukunft einiges ändern, wenn die Bundesregierung mit dem Gebäudeenergiegesetz (GEG) die Vorgaben der EU umsetzt. Einen ersten Anstoß hatte das Bundeskartellamt geliefert. Die Behörde hatte in einem Bericht im Mai 2017 mehr Wettbewerb an den Heizkörpern und Wasserzählern gefordert. Dies könne dazu führen, "dass die Verbraucher weniger bezahlen müssten", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt.

Die großen Ablesedienste wie Techem, Ista oder Brunata-Metrona, auf die weit mehr als die Hälfte des Marktes entfällt, stehen seit Jahren in der Kritik. Verbraucherschützer kritisieren, dass das Trio quasi nach Gutdünken extrem hohe Renditen erwirtschaften kann. Denn Vermietern fehlt nicht nur die Auswahl. Sie hätten auch kein Interesse daran, die Preise der Anbieter zu vergleichen, weil die Mieter ja ohnehin die Kosten übernehmen müssen.

Die EU-Richtlinie sieht nun vor, die Fernablesung ohne ungebetene Hausbesuche zum Standard zu machen. Vom 25. Oktober 2020 an sollen neu installierte Zähler und Heizkostenverteiler fernablesbar sein, sofern dies technisch machbar und kosteneffizient möglich ist. Bereits installierte Zähler sind bis 2027 nachzurüsten oder durch fernablesbare Geräte zu ersetzen, wenn dies wirtschaftlich ist. Die Nutzer der Wohnungen sollen von 2022 an via Internet häufiger im Jahr kostenfrei Informationen über ihren Verbrauch bekommen können, sofern die Messtechnik verfügbar ist. Das soll beim Energiesparen helfen.

Das Bundeswirtschaftsministerium will auch in der Novelle zur Heizkostenverordnung verankern, dass künftig nicht mehr jeder Dienstleister sein eigenes Zählersystem aufbauen kann, das der Konkurrent nicht nutzen kann. Im Fachjargon sprich man von Interoperabilität von Zählersystemen. Bislang handelt es sich noch um geschlossene Systeme. Künftig soll der Datenaustausch leichter möglich sein, um den Anbieterwechsel zu erleichtern und den Wettbewerb zu fördern.

Die Bundesregierung hat bis 25. Oktober Zeit, die Vorgaben der EU-Richtlinie in nationales Recht umzusetzen.

Stefan Kaisers vom Mieterverein glaubt jedoch nicht, dass sich mit der neuen Vorgaben viel verbessern wird. "Wenn ich als Mieter künftig erfahre, wie zum Beispiel in den Sommermonaten mein Verbrauch war, nutzt mir das wenig, um im Winter Energie zu sparen", sagt er. Und auch die Fernablesung helfe Mietern nur bedingt. Diese setze sich mehr und mehr durch, an den Kosten habe dies jedoch nichts geändert. "Die Preise sind jedenfalls nicht gesunken." Nötig sei eine "höhere Preissensibilität bei der Vermietern, die nicht mehr jeden Preis schlucken dürften. Zumindest die Kostenteilung zwischen Mieter und Vermieter würde schon Wirkung erzielen". Nur daran hätten sie verständlicherweise kein großen Interesse, "es sei denn, sie wollen ihren Mietern etwas Gutes tun".

In einem Punkt dürften die Mieter aber von der EU-Vorgabe profitieren. Dass ein Ableser zu Hause klingelt, dürfte immer seltener werden. Keiner muss dann mehr Überstunden abbauen oder einen freien Tag nehmen, nur weil der ungebetene Gast kommt.