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26.02.19 - 12:32 Uhr

Energetische Gebäudesanierung läuft auch in Gießen falsch

Um die Klimaziele zu erreichen, müssten 2-3 Prozent der Wohngebäude jährlich energetisch saniert werden, fordern die Fachleute. Doch in Gießen und im Bundesdurchschnitt liegt die Quote unter einem Prozent. Warum ist das so ?

„Es gibt eine Erklärung dafür, dass sich in der Republik so wenig Erfolg bei der Gebäudesanierung einstellt“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. In der Regel werde den an der Modernisierung interessierten Hauseigentümern dazu geraten, bei der Sanierung den höchsten Standard mit einem Maximum an Maßnahmen anzustreben. Nur so komme man auch an die von der staatlichen Förderbank KfW ausgegebenen Zuschüsse. "Eine ideologische Verkeilung" nennt Kaisers diese von der Bundesregierung betriebene Politik und erklärt an einem Beispiel : "Wenn man einem 60-jährigen Hausbesitzer zu einer Modernisierung rät, die sich erst in 30 Jahren rechnet, wird er für das Geld mit seiner Frau lieber einen Mallorca-Urlaub buchen. Die Leute machen nur das, was sich in absehbarer Zeit rechnet. Anstatt für 20.000 Euro das Dach zu sanieren, genüge es oft auch, für 2000 Euro die Speicherdecke zu isolieren. Das bringe dann häufig schon 90 Prozent des Energiespareffektes".

Auch bei etlichen Wohnungsbaugesellschaften gebe es ein falsches Denken. Da setzte man nicht auf das sogenannte „Warmmieten–Modell“, nach dem nur die Sanierungskosten, die zu Energieeinsparungen führen, auf die Kaltmiete aufgeschlagen werden dürfen. Positives Ergebnis: damit steigt die Warmmiete für den Mieter unterm Strich nicht.

„Stattdessen huldigt man, wie bei der Wohnbau Gießen, dem Prinzip „Viel hilft viel“. Die dort praktizierte „Passivhaus-Strategie“ mit aufwändigen Fassadendämmungen ist alles anders als clever. Denn sie führt zu starken Mietsprüngen, trotz einer Deckelung der Mieten. Die effektive Energieeinsparung bleibt dann auch noch oft genug unter den zuvor theoretisch errechneten Verbrauchswerten. Auch aufgrund des sog. Rebound-Effektes (engl. für Abprall- oder Rückschlageffekt) kommt es zu einem deutlich geringeren Einsparpotenzial von Effizienzsteigerungen, weil sich das Nutzerverhalten ändert.

Am Ende bleiben aber die enormen finanziellen Lasten der Sanierung, die von den Mietern weitestgehend allein getragen werden müssen. Oder sie bekommen die Kosten, etwa für die automatischen Lüftungsanlagen, auf ihrer Stromrechnung zu spüren.