Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können daher diese Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

06.10.18 - 09:59 Uhr

„Wohnzellen“ zu teuren Mietpreisen in Groß-WG

Wohnraum für Studenten in Gießen ist knapp und teuer. Grund dafür ist die extrem hohe Studentendichte in der Stadt und ein angespannter Wohnungsmarkt mit einem Mangel an vor allem kleinen und zudem preisgünstigen Wohnungen. Aber auch große Wohnungen sind gefragt, von studentischen Wohngemeinschaften. Angebote für WG-Zimmer im oberen Preissegment, etwa als „All-Inclusive-Wohnen“ für 400-500 Euro im Monat gibt es genug.

Das nützt aber den meisten Studenten nichts, denn ihr Monatsbudget ist zu klein, um sich das leisten zu können. Zwei Studienanfänger, die auf Suche nach WG-Zimmern sind, berichteten dem Mieterverein von einem Angebot in diesem Preissegment.

Sie stießen darauf über das Internet, wo mit blumigen Beschreibungen die Vorzüge der Behausung angepriesen werden. Die Wirklichkeit sieht nach der Besichtigung aber ganz anders aus.

Ein Immobilienanbieter, der insbesondere im oberen Mietpreisbereich WG-Zimmer anbietet, hat ein älteres Wohngebäude umgebaut. Aus fünf Räumen in der ersten Etage und im Dachgeschoss (85qm) wurden neun „Wohnzellen“. Nach dem Raumeindruck der besichtigenden Studenten müsse man von ca. 6-8qm Wohnfläche ausgehen. Da sei jede Arrestzelle der Polizei komfortabler.

Für die Möblierung sei gesorgt. Es gebe Bett, Schreibplatte und Schrank. Auch ein Privatkühlschrank (40 l) kann gegen Extraentgelt mitgemietet werden. Aber einen Gemeinschaftsraum für die neun WG-Bewohner gebe es nicht. Dazu solle die kleine Küche dienen.

Wie einem Kurzexposee zu entnehmen ist, verlangt der Vermieter für diese Kleinräumlichkeiten einen Kaltmietpreis von 270-330 Euro. Nimmt man die Wohnflächenangaben des Exposé, ergeben sich Quadratmeterpreise von über 20 Euro. Unter Berücksichtigung der Wandschrägen liegt der Mietpreis jedoch noch deutlich darüber. Hinzu kommen Beträge für Heizkosten (30Euro) und eine Betriebskostenpauschale (95 Euro).

„Vermutlich nur Erstsemester werden auf ein solches Angebot eingehen und sicher schon bald wieder ausziehen, sobald sie hier am Ort ein preisgünstiges Zimmer in einer WG finden“, sagte der Mietervereinsvorsitzende. Und von den Studenten danach befragt, was ein Mieter denn machen könne, wenn er den Eindruck habe, dass die Miete überhöht sei, rät man beim Mieterverein, den Mietvertrag am besten erst gar nicht einzugehen.

Hinterher sei es sehr schwer, gegen hohe Mieten rechtlich etwas zu unternehmen. Man treffe auf gesetzliche Regelungen, die kaum wirksam sind.

Kaisers erläutert das so: „Nach dem Wirtschaftsstrafgesetz liegt eine Mietpreisüberhöhung vor, wenn die vereinbarte Miete um mehr als 20 Prozent die ortsübliche Miete "unangemessen" übersteigt. Die ortsübliche Vergleichsmiete ist nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch ein repräsentativer Querschnitt der Mieten, die für nicht preisgebundenen Wohnraum vergleichbarer Art, Größe, Ausstattung, Beschaffenheit und Lage bei bestehenden Mietverhältnissen in den letzten vier Jahren vereinbart wurden.“

In einem Zivilprozess müsse der Mieter beweisen, dass der Vermieter eine „individuelle Zwangslage“ des Mieters ausgenutzt habe. Der Nachweis, dass eine Mangellage der Grund für die Anmietung war, sei für den Mieter kaum zu erbringen.

„Wenn die vereinbarte Miete die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 50 Prozent übersteigt und zusätzlich eine „Zwangslage des Mieters“ existiert, liege eine Straftat vor : Mietwucher.“