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10.09.18 - 12:40 Uhr

Neue Sozialwohnungen in alte Gießener Problemquartiere

Gut die Hälfte der 400 geplanten neuen Sozialwohnungen will die Wohnbau in Problemquartieren errichten, in denen schon jetzt überwiegend einkommensschwache Menschen wohnen.

„Stadt und Wohnbau wollen endlich wieder öffentlich geförderte Wohnungen bauen – 400 bis zum Jahre 2021. Das ist als erster Schritt gut und richtig, kommt aber um Jahre zu spät, weil der Magistrat den Bedarf an bezahlbaren Wohnungen in einer wachsenden Stadt viel zu lange falsch eingeschätzt hat. Ob die neuen Domizile dann auch in drei Jahren bezugsfertig sein werden, muss sich noch herausstellen - Zweifel sind da angebracht. Problematischer ist etwas anderes, nämlich der Standort der neuen Wohnungen“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

Gut die Hälfte der neuen Sozialwohnungen will die Wohnbau in Problemquartieren errichten, in denen schon jetzt überwiegend einkommensschwache Menschen wohnen. Die Nordstadt etwa hat eine schwierige Sozialstruktur: hoher Migrantenanteil (20 Prozent), überdurchschnittlicher Anteil an Transferleistungsbeziehern und viele alleinerziehende Mütter mit Kindern. Wegen der Defizite ist dieser Stadtbezirk seit 20 Jahren im städtischen Entwicklungsprogramm „Soziale Stadt“. Das soll dafür sorgen, dass die vielen sozialen, ökonomischen und städtebaulichen Schwächen reduziert werden. Und nun wird genau dort eine weitere Verdichtung mit Sozialwohnungen vorgenommen. Dabei forderten die im Magistrat vertretenen Grünen noch in ihrem Wahlprogramm zur Kommunalwahl 2016 richtigerweise: „sozialer Wohnungsbau verteilt über die ganze Stadt und nicht an einzelnen Punkten verdichtet“.

Auch das städtische Wohnraumversorgungskonzept sagt, „den Neubau von öffentlich-geförderten Wohnungen in Quartieren, die ohnehin als sozial belastet gelten, kritisch zu betrachten.“ Aber eben das wird jetzt nicht beachtet.

Das Instrument der Sozialquote, das einen bestimmten Anteil von Sozialwohnungen in allen Neubauprojekten einer bestimmten Größe vorsieht und so zu einer breiteren Verteilung über die Stadt sorgt, wird leider in Gießen nicht ausreichend genutzt. In Mannheim müssen 30 Prozent aller neu gebauten Wohnungen in Mehrfamilienhäusern (ab zehn Wohneinheiten) als preisgünstige Mietwohnungen angeboten werden. Ähnliches gilt für München, Weilheim, Offenbach oder Freiburg.

Man kann gespannt sein, wie die Stadt mit ihrer Baupolitik die alten Fehler des sozialen Wohnungsbaus aus den 50er bis 80er Jahren zukünftig vermeiden will, die vielfach zur Bildung von sozialen Brennpunkten und Wohnghettos führten.