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06.08.18 - 13:14 Uhr

Bewertung des Geschäftsberichtes 2017 der Wohnbau Gießen GmbH

Zunächst fällt in dem Geschäftsbericht des größten städtischen Wohnungsunternehmens mit seinen 7124 Wohnungen auf, dass sich der Gewinn 2017 mit 1,88 Mio. Euro fast halbiert hat. Zugleich erhöhte sich das Gehalt des Geschäftsführers um fast 22 Prozent, was schon bemerkenswert ist und die Frage nach der Angemessenheit aufwirft.

Der Ertragsrückgang hat keine Auswirkungen auf die Höhe der Ausschüttung an die Stadt, denn sie ist an das Stammkapital gekoppelt, nicht an den Gewinn.

“Insgesamt, das zeigen die Zahlen in der Bilanz, steht die Wohnbau Gießen GmbH solide da, sie verfügt über eine gute Eigenkapitaldecke, hat genug Mittel für Investitionen, auch für ihr ambitioniertes Neubauprogramm”, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

Im Lagebericht wird denn auch der geplante Bau der rund 400 neuen Sozialwohungen in den nächsten Jahren herausgestellt, von denen aber leider bislang bei keiner einzigen der Spatenstich erfolgt ist. Allein für die geplanten 18 neuen Wohnungen in der Margaretenhütte laufen die Planungen nun schon seit mehr drei Jahren. “Stadt und Wohnbau haben, trotz der wiederholten Hinweise von unserer Seite, der Bestandspflege gegenüber dem Neubau einseitig den Vorrang eingeräumt, obwohl schon vor fünf Jahren bekannt war, dass es auf dem heimischen Wohnungsmarkt eng wird, weil die Zahl der Einwohner stetig steigt”, resumiert Kaisers. Er begrüßt die Bestandssicherung für 335 Wohnungen über die Verlängerung der Sozialbindungen.

Aber man muss sehen, dass allein in diesem Jahr 334 Belegungsbindungen wegfallen und die Stadt gerade eben publikumswirksam 81 neue Belegungsbindungen bei der Wohnbau Gießen   erworben hat. Im Ergebnis also ein dickes Minus von 250 Wohnungen, die keine Sozialwohnungen mehr sind.

Die Hausbewirtschaftungskosten der Wohnbau von 2,55 Mio. Euro wurden gegenüber dem Vorjahr deutlich reduziert. Aber dazu trugen erheblich die Mieter über höhere Mieten im preisgebundenen wie im nicht preisgebundenen Bestand bei (+839Tsd. Euro) bei. „Man wohnt bei der Wohnbau immer noch vergleichsweise preisgünstig. Die Durchschnittskaltmiete liegt bei 5,39 Euro/qm, aber der Anteil der Mieten, die zwischen 7 und 10 Euro liegen, nimmt deutlich zu. Das ist das Ergebnis der kontinuierlichen Schrumpfung der Zahl der Sozialwohnungen am Wohnungsbestand der Wohnbau und einer vielfach überzogenen energetischen Modernisierung, die die Mieten stark nach oben treibt,“ so Kaisers.

Erheblich gestiegen seien die Instandhaltungskosten (2,21 Mio Euro, im Vorjahr 1,07 Mio. Euro). Der Wohnungsbestand der Wohnbau stammt zur Hälfte aus den Jahren 1949-1970, ist in die Jahre gekommen, aber das allein erklärt nicht den sprunghaften Anstieg.

Die Zahlen im Geschäftsbericht belegen, dass die abgerechneten Betriebs- und Heizkosten gegenüber 2016 leicht gestiegen sind, obwohl doch das Unternehmen immer wieder betont, im wachsenden Bestand der aufwändig energetisch modernisierten Wohnungen (Passiv-Haus-Standard) würden so gut wie keine Heizkosten mehr anfallen. Schließlich haben die Heizkosten einen Anteil von 40-50 Prozent an den gesamten Betriebskosten.

“Bedauerlicher Weise nimmt die Wohnbau keine getrennte Darlegung ihrer Instandhaltungs- und der Modernisierungskosten vor. Zur langfristigen Werterhaltung des wohnungswirtschaftlichen Sachanlagevermögens ist es aber notwendig, die Abschreibungen durch Modernisierungskosten sowie Investitionen zu kompensieren. Leider werden auch die Investitionen in die öffentlich geförderten und die frei finanzierten Wohnungen nicht separat angegeben”, heißt es in der Stellungnahme des Mietervereins.