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13.06.18 - 09:45 Uhr

Dreijahresbilanz des Wegfalls der Maklercourtage für Mieter

Es war eine Art Eintrittsgeld für die Wohnung: Jahrzehntelang mussten Mieter die Vermittlungsprovision für den Makler zahlen, den der Vermieter beauftragt hatte - normalerweise das 2,38-Fache der Kaltmiete.

In Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt konnten so sehr schnell 2000 Euro und mehr zusammenkommen, und nicht wenige Mieter fragten sich dabei: wofür eigentlich?


Seit genau drei Jahren ist damit Schluss: Seit 1. Juni 2015 muss der bezahlen, der den Auftrag erteilt, in der Regel also die Vermieter, die vorher zum Nulltarif neue Mieter bekamen. Nun, drei Jahre später, zeigt sich: "Das Gesetz hat sich bewährt, weil es klar formuliert ist und keine Ausnahmen wie bei der Mietpreisbremse zulässt." So sieht es zumindest Stefan Kaisers vom Mieterverein. Aber inwieweit haben Mieter wirklich profitiert?
Die Bundesregierung rechnete bereits vor einem Jahr vor: Aufgrund des Gesetzes sparen Mieter jährlich etwa 500 Millionen Euro - hochgerechnet. Wirklich nachweisen lässt sich eine solche Ersparnis bislang nicht. Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), ist sich aber sicher: "Die Einführung des Bestellerprinzips hat die Mieterhaushalte entlastet." Vorsichtiger ist Sven Keussen, Vorstandsmitglied im Immobilienverband Deutschland Süd : "Mieter mögen vielleicht glauben, dass sie durch den Wegfall der Maklercourtage Geld sparen. Tatsächlich wird der Vermieter aber versuchen, von Anfang an die Miete höher anzusetzen, um die Ausgaben für die Provision wieder hereinzubekommen." Dass die Courtage auf die Miete umgelegt oder über überhöhte Abstandszahlungen für die Kücheneinrichtung wieder eingespielt werden soll, kommt allerdings nur für Vermieter infrage, die weiter einen Makler einschalten. Doch weil sie das jetzt Geld kostet, wollen sich nicht mehr so viele wie früher den Service leisten. Die Vermietungen über Makler sind deutlich zurückgegangen.
Dies hat zwei Nebeneffekte: Erstens werden mehr Wohnungen unter der Hand vergeben, etwa indem der ausziehende Mieter einen Bekannten als Nachfolger vorschlägt. Solche Wohnungen werden gar nicht erst in den Immobilienportalen öffentlich angeboten. Wer ganz neu in eine Stadt kommt, hat es deshalb  schwerer, eine Mietwohnung zu finden.
Zweitens sind die sogenannten „Küchentischmakler“ verschwunden, die mit einer einfachen Gewerbeerlaubnis versuchten, vom großen Provisionskuchen etwas zu ergattern. Das Geschäft habe sich professionalisiert. Wer versucht habe, sich nebenbei als Vermietungsmakler etwas dazuzuverdienen,sei jetzt weg vom Markt. Und das sei auch gut so", meine Fachleute aus der Immobilienbranche.
Einige ältere Makler haben dies auch zum Anlass genommen, ihr Geschäft aufzugeben. Dafür sprechen auch die Zahlen des IVD: Der Verband, in dem 4500 Makler organisiert sind, beziffert die Umsatzeinbußen bei der Vermittlung von Mietobjekten mit 20 Prozent. Vor Inkrafttreten des Gesetzes hielten sich laut Immobilienverband Deutschland (IVD) das Verkaufs- und Vermietungsgeschäft die Waage. Jetzt vermitteln die Mitglieder zu 70 Prozent Kaufimmobilien und zu 30 Prozent Mietobjekte.
Auch das Unterlaufen des Bestellerprinzips scheint kein großes Thema mehr zu sein. Nach Einführung des Gesetzes häuften sich Berichte über Makler, die mit illegalen Tricks weiter ihre Provision einheimsen wollten. Manche forderten "Vertragsausfertigungsgebühren" in Höhe von mehreren Hundert Euro.
Andere ließen künftige Mieter spüren, dass sie die Wohnung nur bekommen, wenn sie im Nachhinein den Makler beauftragen und auch zahlen. Doch selbst beim Mieterverein spricht man von "Einzelfällen, bei denen Schindluder getrieben worden sei. So etwas lasse sich  nie ganz verhindern.
Manche Vermieter haben aber auch vom Do-it-yourself-Prinzip bei der Vermietung genug und kehren zu professionellen Maklern zurück, selbst wenn das Geld kostet . Sie merken, dass es doch recht zeitaufwendig und anstrengend sein kann, aus einer großen Auswahl von Bewerbern den passenden Mieter herauszufinden.