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16.02.18 - 11:58 Uhr

Die Wohnfrage in Deutschland muss endlich als ästhetische Aufgabe begriffen werden

„Weder auf dem Land noch in den Städten braucht Deutschland weitere Einfamilienhaussiedlungen, die meist ebenso trost- wie einfallslos sind. Jedes Einfamilienhaus versiegelt ein Stück Boden. Städte wuchern damit weiter ins Umland. Und das schafft mehr Verkehrsprobleme und Staus. Es bringt die öffentliche Infrastruktur an ihre Grenzen“, warnt der Mieterverein.

Für ländliche Regionen ist der Bauboom ebenso schädlich. Selbst in Dörfern und Kleinstädten, wie auch im Landkreis Gießen zu beobachten ist, wird ständig neues Bauland ausgewiesen. Die Kommunen sehen darin den Beweis für ihre „Attraktivität“. Bei Gewerbegebieten handeln sie ähnlich. Also wird betoniert und asphaltiert, was das Zeug hält und die Bauarbeiter hergeben, als wäre der Boden ein nachwachsender Rohstoff. Das ist er aber nicht. Das Versiegeln immer größerer Flächen in Deutschland dürfte spätestens in der nächsten Generation ein Problem werden. Für die Natur ist es das schon lange. Dabei gibt zumindest im Wohnungsbau eine relativ einfache Lösung: Umbauen. Alte Häuser lassen sich oft sanieren. Häufig steigt so die Lebensqualität, die ein Neubau gar nicht bieten kann.
Was gebraucht wird, ist bezahlbarer Wohnraum in Häusern, die im Sinne des Gemeinwohls entworfen, gebaut und gepflegt werden. Häuser also, in denen die Gesellschaft sich begegnet, weil es etwas Gemeinschaftsräume für sie gibt, Wohnungen für Singles, Familien und Wohngemeinschaften und ein Erdgeschoss, das dem Viertel offensteht - und nicht dem Eigentümer, der sich die Gartenparzelle leisten kann.
Es gibt hierzulande Genossenschaften, die gezeigt haben, wie so etwas geht. Ihre Häuser führen auch vor, wie sich auf wenig Raum angenehm wohnen lässt, weil die Grundrisse durchdacht sind und die Bedürfnisse der Bewohner reflektieren. Ein hochverdichtetes Bauen dieser Art ist das Einzige, was den Flächenfraß stoppen kann. Doch es gelingt nur, wenn die Architektur ihre Bewohner ernst nimmt und nicht weiter an überholten Lebensmodellen festhält.
So zeigt sich, dass die Krise des Wohnens auch eine der Gestaltung ist. Es ist wichtig, wie Häuser aussehen. Denn sie geben vor, wie die Menschen darin leben. Dass es nicht reicht zu „rastern“, haben schon die Plattenbausiedlungen der Nachkriegszeit gezeigt. Deswegen muss die Wohnfrage in Deutschland endlich als ästhetische Aufgabe begriffen werden.