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28.01.18 - 18:48 Uhr

Energetische Modernisierung der Wohnbau lohnt für Mieter nicht

Jetzt hat auch die Wohnbau Gießen selber anhand eigener Zahlen plastisch vorgerechnet, dass sich die energetische Modernisierung, wie sie von dem städtischen Unternehmen betrieben wird, für die Mieter nicht rentiert. Damit wird die wiederholte Kritik des Mieterverein bestätigt. Der fordert eine faire Teilung der Kosten zu je einem Drittel für Eigentümer, Mieter und Staat, denn alle drei profitieren.

Zwar bekommen die Mieter in der Eichgärtenallee 106-110 einen Balkon und sparen den Löwenanteil der Wärmekosten ein sowie ordentlich CO2. Aber sie müssen dafür mit einer satten Mieterhöhung bezahlen : 170,- Euro /Monat. Die Deckelung der Mieten für die Bestandsmieter auf 6,60 Euro/qm ist nur ein schwacher Trost, da Neumieter dann um so mehr zahlen.
Der Mieterverein wendet ein: „Selbst in zehn Jahren werden die Mieter immer noch keine Kostenersparnis bezüglich der Energieausgaben gegenüber der aufgrund der Maßnahme durchgeführten Mieterhöhungen haben. Weil keine akzeptable Zehn-Jahres-Amortisation erreicht wird, verstößt das gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot des Energieeinspargesetzes (EnGG).“

Für das Wohnungsunternehmen sei die energetische Modernisierung ein gutes Geschäft, sonst würde die gar nicht durchgezogen. „Erstens profitiert die Wohnbau von den niedrigen Kreditzinsen, zweitens schöpft sie alle öffentlichen Fördergelder aus, die nach dem Prinzip vergeben werden: hoher Aufwand, hohe Förderzuschüsse. Und drittens werden die 11% der Investitionskosten auf die Mieter abgewälzt,“ erklärt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Er macht das an einer kleinen Modellrechnung deutlich:

Für eine  80qm-Wohnung werden für Modernisierungsinvestitionen von 20.000 Euro benötigt. Der Investor nimmt einen KfW-Kredit auf mit 2% Zinsen und 2 % Tilgung pro Jahr. Das ergibt Kosten von 800,- Euro/Jahr.
Beim Mieter werden 11% der Investitionskosten auf die Miete aufgeschlagen (zulässig nach § 559 BGB). Das heißt:     2.200 Euro /Jahr  oder 183,-  Euro/Monat.
Der Mieter hat, wenn es gut geht, eine Kostenersparnis bei den Wärmekosten von 1 Euro/qm,   d.h. 80,- Euro/Monat.
Er zahlt also pro Monat 103,- Euro drauf - im Jahr 1.236,- Euro.
Das Wohnungsunternehmen hat im Ergebnis 2.200 Euro Einnahmen, abzüglich  800,- Euro Ausgaben, d.h. einen Gewinn von 1.400 Euro/Jahr.

„Ob der Passivhaus-Standard„das Maße aller Dinge“ ist, wie die Bürgermeisterin Weigel-Greilich meint, bezweifeln inzwischen auch immer mehr Fachleute an. Bezahlbaren Wohnraum jedenfalls erreicht man so nicht. Und der Einsatz des brennbaren und in vieler Hinsicht problematischen Baustoffs Polystyrol, den die Wohnbau verwendet, ist gewiss kein Mittel zur umweltgerechten Bestandssanierung“, findet man beim Mieterverein.