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22.01.18 - 17:40 Uhr

Kritik an Flut der Baunormen

„Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Bauen deutlich einfacher, billiger, schneller und auch schöner. Von 2007 bis 2014 haben sich die Baukosten im Wohnungsbau um 40 Prozent verteuert, allein wegen immer neuer Bauvorschriften und Standards,“ beklagt der Mieterverein.

Etwa 3000 Normen seien für das Bauen relevant, mehr also als je zuvor. Man müsse den Vorschriften-Dschungel, in dem sich regionale, nationale und europäische Normen kreuzen, endlich lichten. "Das ist wie mit dem Keller oder dem Dachboden: Es kommt immer nur etwas dazu - aber selten trennt man sich auch von den Dingen. Das Gebot der Stunde muss heißen: zügig aufräumen !"

Das ist dringend nötig, denn die Unzahl von Normen, Standards und Technikregeln macht das Bauen in Deutschland immer komplizierter, langsamer und dabei auch teurer, anfälliger sowie - ästhetisch betrachtet -  banaler. Man baut eben „normgerecht“ und das sieht man den meisten Bauten dann auch an.

„Keine Frage, man braucht strenge Bauvorschriften, schon allein, um die Sicherheit der Gebäude und ihre Umweltverträglichkeit zu gewährleisten“, sagt der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers, und fügt hinzu: „Sucht man nach der Ursache für die Flut der Baunormen, stößt man auf das Interesse der Normenden selber.  Das „Deutsche Institut für Normung“ (DIN) als bedeutendste nationale Normungsorganisation wird nur zu etwa 30 Prozent vom Bund finanziert wird. Rund 70 Prozent des Erlöses kommen demnach aus dem Vertrieb der Normen. Um etwa Online-Zugang zu dem für Planer wichtigen Regelwerk zu erhalten, wird eine "Jahresnutzungsgebühr" von knapp 600 Euro erhoben. Die Normenden leben also gut von immer mehr Normen. Warum sollten sie selbst das ändern wollen?
Und die Bauindustrie, die laut über den Norm-Tsunami klagt, sei selber daran beteiligt. Deren Produkte erhalten aufgrund der Normierung eine Art Tüv-Siegel. Jedes Produkt sorge so für immer neue Vorschriften, auch im Interesse der eigenen Verkäuflichkeit. So komme es, dass man nicht mit Backsteinen baut, sondern mit der DIN EN 771-1:2015-11: "Mauerziegel, Leichtlanglochziegel und Leichtlanglochziegelplatten".