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18.01.18 - 11:52 Uhr

Zweifel am Konzept des 10-Liter-Hauses

Das vom Energieeffizienz-Forum in Heuchelheim propagierte 10-Liter-Haus muss man kritisch sehen. Es ist bei genauerem Hinsehen und Nachrechnen nur selten eine gute Lösung, dient eher der Ertragssteigerung der Baustoffindustrie als den Hauseigentümern.

Um zum gewünschten Ziel zu kommen, muss ein umfangreiches Bündel an Maßnahmen ergriffen werden, die allesamt teuer sind und sich für viele Eigentümer oft nicht rechnen“, heißt es beim Mieterverein. In vermieteten Häusern würden die Kosten auf die Mieter abgewälzt, was zu hohen Mietsteigerungen führe.

„Zunächst muss man die Priorität der Fassadendämmung in Zweifel ziehen, für die leider durchweg auf den brandgefährlichen Problembaustoff Polystyrol zurückgegriffen wird. Das Energieeinsparpotential liegt hierbei nach Angaben des Bauministeriums bei maximal 14%, der Dämmung der obersten Geschossdecke bei beachtlichen 22% und der  Erneuerung/ Optimierung der Heizungsanlage bei 24%. Das Versprechen, die Energiesparmaßnahmen seien „hoch wirtschaftlich“ und „das Geld fließe innerhalb der technischen Lebensdauer der Maßnahme wieder zurück, ist zumindest irreführend“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Fakt sei, das insbesondere die nachträgliche Fassadendämmung  so gut wie nie einen akzeptable Zehn-Jahres-Amortisation erreicht und damit gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot des Energieeinspargesetzes (EnGG) verstößt.

"Ein Kilogramm Polystyrol an der Fassade spart in fünfzig Jahren mehr als 200 Liter Heizöl ein", sagt Hartschaumverbandschef Schönell.  Aber die Energierechnung ist kompliziert, weil sie sich an dem Energiebedarf orientiert. Zu oft  werden Gewohnheiten der Bewohner und die Lage des Gebäudes nicht berücksichtigt. "Vielfach wird der Energiebedarf daher zu hoch angesetzt, der Energieverbrauch liegt bei der Hälfte", sagt Professor Harald Simons, Vorstand des Berliner Forschungsinstitut Empirica. Und weil in gedämmten Häusern häufig die Innen- und Außenluft fast hermetisch abgeschottet wird, ist über ein Lüftungskonzept nachzudenken, um die Raumluftfeuchtigkeit zu beherrschen. Damit entstehen zusätzliche einmalige und laufende Kosten. Ob das alles der Behaglichkeit und dem Wohnkomfort dient, darüber kann man trefflich streiten.