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12.01.18 - 12:45 Uhr

Skandalös: Legale Umgehung der Grunderwerbssteuer mit „Share Deal“

Wenn Familie Meier oder Schmitz ein Grundstück oder Haus kauft, muss sie brav Grunderwerbsteuer bezahlen. In Hessen sind das stolze 6 Prozent. Wenn aber große Unternehmen wie etwa die Deutsche Wohnen ein Paket von 3.900 Wohnungen erwerben (Kaufpreis: 655 Mio Euro), geht das anders.

Um die Grundsteuerzahlung (39 Mio.) zu vermeiden, wird ein sog. “Share Deal“ gemacht. Das bedeutet: Die Wohnungen werden nicht direkt gekauft, sondern zunächst in eine Gesellschaft eingebracht, eine GmbH & Co. KG zum Beispiel. Dann erwirbt der Käufer die Mehrheit der Anteile an der Gesellschaft, in der Regel 94,9 Prozent. Denn solange er weniger als 95 Prozent der Anteile erwirbt, muss er keine Grunderwerbsteuer zahlen. So wird die Grunderwerbssteuer  ausgehebelt, und das ganz legal.
Als im Jahre 2014 die Darmstädter Bauverein AG ihre Wohnungsbestände in Mittelhessen an die Deutsche Zinshaus Gruppe verkaufte, insgesamt 2.100 Wohnungen, davon 1200 in Gießen, erfolgte das Geschäft auch als „Share Deal“. Während die Politik also den Bau neuer Wohnungen häufig blockiert oder erschwert, wird die Spekulation mit bestehendem Wohnraum auch noch gefördert. Man darf gespannt sein, ob die GroKo eine solche Steuerabsurdität baldigst abschafft. Sie kostet den Fiskus jährlich etliche 100 Millionen Euro. Dieses Geld könnte man beim Bau von mehr öffentlich geförderten Wohnungen gut gebrauchen. Anstatt ständig die Grunderwerbssteuer zu erhöhen, sollte der "Gestaltungsspielraum" bei größeren Immobiliengeschäften beseitigt werden.