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27.12.17 - 12:43 Uhr

Neue Wege der Müllgebührenberechnung

Üblicherweise werden die Abfallgebühren in Mietshäusern pro Haus über die Nebenkostengebühren abgerechnet, meist auf alle Bewohner nach Wohnfläche umgelegt. Ob ein Haushalt viel oder wenig in die Tonne geworfen hatte, macht für die Abrechnung keinen erkennbaren Unterschied. Wenn jeder aber nur noch für den Restmüll zahlt, den er selbst produziert, sinken die Menge und die Kosten.

Abgerechnet wird dabei nach Volumen - über Hightech-Behälter. Das System kommt bei Mietern meist gut an.

Das Bewusstsein, dass man sich mit selbst produziertem/ Müll persönliche Kosten verursacht, führt dazu, dass die Hausbewohner  ihren Müll deutlich akkurater trennen und so profitieren. Denn die Kosten können so um etwa die Hälfte reduziert werden. Bei einem Modellversuch der Beeskower Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft mbH etwa zahlten die Mieter 2016 für die Entsorgung ihres Mülls etwa 16 Prozent weniger als zuvor - obwohl die Gebühren in der gleichen Zeit um etwa sechs Prozent angehoben wurden.
„Technisch ist das Prinzip simpel“, erklärt man bei der Firma Imvisio, die die Müllschleusen bundesweit vertreibt: „Jeder  Mieter erhält einen Transponder, mit dem er die Müllschleusen für den Restmüll öffnen kann. Es gibt eine Klappe, die fünf Liter, eine für zehn Liter und eine Klappe für Beutel bis zu 20 Liter. Wer welche Klappe wie oft benutzt, speichert das elektronische System ab. Es wird immer das volle Volumen berechnet.“ Die Müllschleusen, in denen die sich die Restmülltonnen befinden, sehen etwa so aus wie herkömmliche Betonbehälter. Oben drauf befindet sich ein Solarpanel, das die Steuerung mit Strom versorgt. An der Front sieht man ein paar Lampen. Direkt über dem Transponderfeld gelegen signalisieren sie, ob alles betriebsbereit ist. Die restliche Elektronik ist im Innenleben versteckt. Ob die Anlagen einwandfrei funktionieren, überwacht das Müllentsorgungsunternehmen aus der Ferne per Modem. Einmal im Jahr werde jede Müllschleuse direkt an Ort und Stelle von einem Techniker kontrolliert. Trotz der Kosten für den Betrieb sparen die Haushalte dafür auf der anderen Seite mehr ein, weil die Abfallgebühren deutlich sinken.
Was vielen Menschen nicht bewusst ist: Wertstoffe wie Altpapier und Verpackungsmaterial, die korrekt entsorgt werden, kosten nichts. Für die blaue und gelbe Tonne werden keine Gebühren erhoben. Bereits beim Kauf wird der Verpackungsanteil wie Aludosen oder Tetrapacks von den Verbrauchern im Voraus bezahlt. Abfallgebühren werden lediglich für die Restmülltonnen erhoben, in vielen Kommunen auch für die grüne Bio-Tonne. Wer nur noch für seinen eigenen Müll zahlt - und damit auch direkten Einfluss auf die persönlichen Ausgaben hat, interessiert sich dann auch verstärkt für solche Feinheiten der Entsorgung und der damit verbundenen Gebühren.
Damit alles glatt läuft mit den Hightech-Tonnen, müssen die Mieter ausführlich informiert werden, nicht nur über die Bedienung, sondern vor allem auch über die Mülltrennung. Mit der Zeit geht ein Teil der Wirkung verloren. Deshalb muss regelmäßig über die korrekte Entsorgung des Hausmülls informiert werden. Das geschieht bei Versammlungen der Genossenschaft, in der Mieterzeitung und wenn sich jemand mit Fragen zur Betriebskostenabrechnung an die Hausverwaltung wendet. Regelmäßige Beratung sei wichtig, denn nach den Erfolgen der ersten Jahre sind die Zahlen ein wenig rückläufig.
Ein notorischer Nebeneffekt der neuen Müllentsorgung ist allerdings: Ein Teil der Haushalte verinnerlicht lediglich, dass die gelbe Tonne nichts kostet - und entsorgt darin Dinge, die nicht hineingehören. Bemerkt die Müllabfuhr so etwas, kann die gesamte Tonne zu Hausmüll umdeklariert werden. Das kostet dann wieder. "Um solchen Mülltourismus zu minimieren, muss das Bewusstsein immer wieder von neuem geschärft werden.
Um übertriebenem Gebührengeiz Wind aus den Segeln zu nehmen, ist es ratsam , dass jeder Haushalt  obligatorisch für ein Mindestvolumen Restmüll von zehn Litern pro Woche und Wohnung zahlt.
Es sind nicht vor allem die sinkenden Abfallmengen, die den Gebührenbetrag senken, sondern vor allem eine Verschiebung des Mülls in andere Tonnen. Diese diese Entwicklung hat man bei einer Siedlung der ABG Holding in Frankfurt mit 386 Wohneinheiten erfasst: Innerhalb eines Jahres hat sich dort das Volumen der gelben Tonne auf gut 25 000 Kilo fast vervierfacht, Altpapier hat sich auf 30 000 und die Biotonne auf 6000 Kilo jeweils verdoppelt. Diese Verlagerung schont nicht nur den Geldbeutel: "Wegen der besseren Wertstofftrennung werden 51 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht dem CO2-Ausstoß eines Autos auf 5000 Kilometer oder der CO2-Einsparung durch Vollwärmedämmung von zwei Einfamilienhäusern.
Im vergangenen Jahr wurden 38,1 Millionen Tonnen Abfälle bei den Haushalten eingesammelt. Das waren 0,7 Millionen Tonnen oder sieben Kilogramm pro Kopf mehr als 2015, berichtet das Statistische Bundesamt nach vorläufigen Zahlen. Im Durchschnitt fielen 462 Kilogramm Haushaltsabfälle pro Person an.