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20.12.17 - 12:31 Uhr

Mieterverein erfreut über Umsetzung des Konzepts „Housing First“ in Gießen

Beim Mieterverein begrüßt man ausdrücklich den Weg, den in Gießen in enger Kooperation die Diakonie und die Wohnbau mit dem Konzept „Housing First“ beschreiten, um Obdachlosen wieder ein Dach über dem Kopf zu verschaffen.

Das Konzept "Housing First" kommt aus den USA und hat sich dort und in anderen Städten in Europa bewährt. Die Erfolgsquote liegt bei 80 Prozent. Es hilft am meisten den Langzeitobdachlosen und ist in Deutschland leider noch wenig bekannt. Das Prinzip ist einfach: Statt den Menschen auf der Straße mit medizinischer Versorgung und psychologischer Betreuung notdürftig „auf Platte“ zu helfen, bekommen die Wohnungslosen zuerst eine Wohnung, ohne sie an Bedingungen zu knüpfen. Eine richtige Wohnung mit eigenem Schlüssel. Keine Notunterkunft, keine Stockbetten, keine Angst mehr, dass ihnen in Gemeinschaftsunterkünften ihr Hab und Gut geklaut wird. Auf dieser stabilen Basis werden dann die anderen Probleme wie Schulden, Sucht oder Arbeitslosigkeit angegangen, nicht umgekehrt.
„Housing First“ ist das Gegenteil von Trockenschwimmen. So wie man Schwimmen am besten im Wasser lernt und Fahrrad fahren mit einem Fahrrad, genauso lernt man Wohnen am besten in einer Wohnung und nicht in einer Einrichtung. „Housing First“ heiße ja nicht Housing Only, erklären die Fachleute. „Es geht nicht darum, den Leuten einfach einen Schlüssel für die Wohnung zu geben und zu sagen, nun komm mal zurecht. Es wird weitere Hilfe angeboten, auch nachdrücklich, das ist aber keine Verpflichtung, um die Wohnung zu behalten. Die Wohnung ist eine Ausgangsbasis, ein anderes Leben zu führen, und damit Wohnungslosigkeit zu beenden anstatt sie weiter zu verwalten.“

Er gibt zwei Gründe, warum das Thema in Deutschland  erst am Anfang steht : zunächst die Mentalität. Es gibt hier immer noch das Denken, man müsse den Wohnungslosen erst ›wohnfähig‹ machen. Die Idee, die Leute vorbehaltlos anzunehmen und ihnen erst einmal Wohnraum zu gewähren, ist in der Praxis noch nicht angekommen. Selbst wenn Wohnraum da ist, gibt es ein Zugangsproblem. Die Wohnungslosen scheitern an der Schufa-Anfrage oder an den Ängsten der Vermieter vor Messie-Mietern. Gerade der Personenkreis, bei dem „Housing First“ am dringendsten gebraucht wird, ist da chancenlos.« Wahrscheinlich sind es  nur etwa 15 Prozent, die wirklich nicht alleine leben können. Die Prioritäten müssen also verschoben werden.

Und zweitens ist das Problem, wo kommen die preisgünstigen Wohnungen her, gerade in Städten, wo die Mietpreise steigen und steigen. „Wenn die Wohnbau Gießen 7-8 Wohnungen pro Jahr für Wohnungslose Verfügung stellen kann, ist das eine gute Sache. Man kann dem Modell nur viel Erfolg wünschen, im Interesse der von Obdachlosigkeit Betroffenen und der gesamten Gesellschaft“, sagt abschließend der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers.