Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können daher diese Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

16.11.17 - 20:26 Uhr

Gnadenloser Kampf auf dem Wohnungsmarkt

Der Mietmarkt ist längst ein Raum, in dem soziale Kälte herrscht. Es ist wie auf der deutschen Autobahn. Da herrscht eine Freiheit, wie sie falscher nicht verstanden werden kann. Der Stärkere hat das Sagen.

Wer in der Situation noch Schutzvorschriften für die Mieter abschaffen will, wie etwa die Mietpreisbremse, diesen  fast einzigen und aufrechten Versuch, etwas gegen den ungleichen Kampf zwischen Mietern und Vermietern zu tun, handelt verantwortungslos. Das wäre so wie das Drängeln mit der Lichthupe zu legalisieren, ein Aufruf zur Asozialität,“ betont man beim Mieterverein .
Manche Makler würden die Goldgräberstimmung schamlos ausnutzen und auch zu illegalen Mitteln greifen. Der Mieterverein berichtet man von dem folgenden Fall : Da hat sich ein Mieter um eine Wohnung beworben und der Makler erklärt ihm freundlich und wortreich, dass der Eigentümer keinen Wohnungsmietvertrag abschließen wolle – sondern einen Gewerbemietvertrag. Die Bitte der Mieters, ob er  den Vertrag zugeschickt bekommen könne, wird abgelehnt. Erst müsse der Mieter ein zweiseitiges Dokument unterschreiben. Eine verbindliche Zusage.
Der Mieter fragt sich zurecht, wie er einem Vertrag zustimmen könne, den er gar nicht kennt. Der Makler wird ungeduldig und erklärt, der Mieter wolle doch in der Wohnung nicht nur wohnen, sondern auch in Heimarbeit für seinen Arbeitgeber am PC arbeiten, also sei er gewerblich tätig. Er verlangt:  Erst die Zusage, dann den Vertrag.
„Nun muss man wissen, dass zwischen einem Mietvertrag für Wohnraum und einem für Gewerberaum eine große rechtliche Lücke klafft“, heißt es vom Mieterverein.  „Ein Gewerbemieter hat viel weniger Rechte als ein Wohnungsmieter. Es gibt für Gewerbemieter zum Beispiel keinen Kündigungsschutz. Er kann relativ problemlos aus der Wohnung geworfen werden.
Wir wissen von einem Mieter, der bei einer Wohnungsbesichtigung ein solches Dokument ausgefüllt hatte – im Glauben, es sei eine Selbstauskunft. Nach der Besichtigung forderte der Eigentümer fast 3.000 Euro von ihm. Der Mietinteressent hatte, ohne es zu wissen, einen Gewerbemietvertrag unterschrieben,“ sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Ein anderer habe auf der Suche nach einer Wohnung einen ziemlich miesen Vertrag unterschrieben – einen Gewerbemietvertrag. Der verpflichtete ihn, für die Beseitigung von schon beim Einzug vorhandenen Feuchtigkeitsschäden aufzukommen und die Wohnung bei Auszug zu sanieren. Deshalb der Rat des Mietervereins an die Mieter,  bloß keinen Gewerbemietvertrag zu unterzeichnen !
In den Sondierungen von CDU/CSU, FDP und Grünen wird auch über die Abschaffung der leider unzureichenden Mietpreisbremse verhandelt, die vor allem die FDP, aber auch Teile der Union verlangen. „Wir fragen:  Was wird das für eine Koalition? Ein Elitenprojekt für Hauseigentümer? Was sollen die Menschen über Jamaika denken, wenn Alexander Graf Lambsdorff, FDP, einer alleinerziehenden Mutter empfiehlt, wie unlängst geschehen, sie könne sich ja für die Altersvorsorge eine Immobilie zulegen?“, fragt Kaisers.