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06.11.17 - 16:55 Uhr

Mietbelastung wächst auch in Gießen

„Die Zahl der Haushalte mit einer hohen Mietbelastung ist nach einer Studie an der Berliner Humboldt-Universität erschreckend groß. Die ausgewerteten Daten bezogen sich zwar nur auf die 77 Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern beziehen. Aber auch für viele kleinere Städte wie Gießen zeichnet sich nach unseren Erkenntnissen ein ähnliches Bild ab“, heißt es in einer Presse-Erklärung des Mietervereins.

„Wir haben in einer kleinen Umfrage unter 150 Vereinsmitgliedern die Frage nach der Mietbelastung ihres Haushaltes gestellt. Vor allem bei Mietern in der Stadt Gießen ergibt sich, dass 40 Prozent eine Miete von mehr als 30 Prozent ihres Einkommens zahlen müssen, fast 19 Prozent aller Haushalte sogar mehr als 40 Prozent ihres Einkommens. Die Studenten haben wir dabei herausgerechnet“, erklärt der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers.

In Deutschlands Städten, so die Untersuchung der Humboldt-Universität , rutschen viele Menschen wegen der stark steigenden Mieten hohen in die Armut oder haben nur noch extrem wenig Geld zum Leben. Dort müssen bereits gut eine Million Haushalte mit 1,6 Millionen Bewohnern mehr als die Hälfte des Einkommens für die Kaltmiete ausgeben. Etwa 1,3 Millionen Haushalte können nach Abzug der Mietzahlung nur noch über ein Resteinkommen verfügen, das unterhalb der Hartz-IV-Leistungen liegt.

Bei der Frage, wie hoch der Anteil der Miete am Einkommen sein darf, orientieren sich Immobilienexperten wie Sozialwissenschaftler an der 30-Prozent-Marke. Liege die Belastungsquote über 30 Prozent, gilt dies besonders für Menschen mit geringem Einkommen als problematisch, weil dann für Essen, Kleidung, Freizeit oder Urlaub nicht mehr viel übrig bleibt. Auch Vermieter würden in der Regel Einkommensnachweise verlangen, die zeigen, dass die Miete nicht mehr als ein Drittel des Einkommens ausmacht", heißt es in der Studie. Sonst könnte sich der Mieter die Wohnung womöglich nicht auf Dauer leisten.

„Leidtragende der Entwicklung sind vor allem Geringverdiener“, sagt Kaisers: „Sie leben nicht nur oft in schlechter ausgestatteten Wohnungen, ihnen steht pro Kopf meist auch weniger Wohnfläche zur Verfügung“. Der Anteil ihres Einkommens, den sie für die Miete aufwenden müssen, sei auch in der Regel höher als bei wohlhabenderen Haushalten. Der Studie zufolge liegt dies vor allem am großen Mangel an bezahlbaren, kleinen Wohnungen in den wachsenden Städten. "Während fast die Hälfte aller Haushalte aus Alleinlebenden besteht, macht die kleinste Wohnungsgröße, mit Flächen von weniger als 45 Quadratmeter, lediglich 14 Prozent des Wohnungsbestandes aus. Einpersonen-Haushalte müssten deshalb auf größere Wohnungen zurückgreifen und hätten damit eine oft höhere Mietbelastung als größere Haushalte. So überweisen Haushalte mit Einkünften von mehr als 140 Prozent des Einkommensmittels (>2000,-Euro/Monat) davon gut 17 Prozent für ihre Kaltmiete. Bei Haushalten, die an der Armutsgrenze (< 900,-Euro/Monat) leben, beträgt dieser Anteil fast 40 Prozent. "Einkommensungleichheiten werden so in den Wohnverhältnissen nicht nur reproduziert, sondern sogar noch verstärkt", merken die Wissenschaftler dazu kritisch an.