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31.10.17 - 12:20 Uhr

Mehr Mietwohnungen werden möbliert vermietet - Vermieter kassieren so mehr Miete

Für etliche Studenten, die zu Beginn dieses Wintersemesters verzweifelt eine bezahlbare Bleibe in der Stadt suchen, sind sie oft die letzte Wahl: Möblierte Wohnungen. Nur wenige können es sich leisten. Oft bleibt den jungen Leuten aber nichts anderes übrig, als erst einmal für sehr viel Geld möbliert unterzukommen.

Was in England schon lange Trend ist, hat auch Deutschland erreicht: Immer mehr Vermieter bieten Unterkünfte nur noch eingerichtet an. So lässt sich mehr Miete verlangen, denn die Mietpreisbremse greift dann nicht richtig. Für Geschäftsleute, die nur vorübergehend eine Bleibe suchen, ist das ein gutes Modell. Aber für Geringverdiener ist die neue Entwicklung am ohnehin angespannten Wohnungsmarkt verheerend, "Möblierte Unterkünfte treiben die Preise hoch", sagt der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers. „Wer möbliert wohnt und überdurchschnittlich viel Geld dafür zahlt, sollte wenigstens seine Rechte kennen.“
Wer sich möbliert einmietet, braucht nur wenig mitzubringen. Der Vermieter muss Zeit und Geld in die Einrichtung von Küche, Bad, Wohnraum investieren, nicht der Mieter. Was eine Wohnung zur möblierten Bleibe macht, ist zwar nirgends definiert. Gut ausgestattete Wohnungen sind aber gang und gäbe. Ein gewichtiger Grund sei zudem das Interesse der Vermieter an höheren Mieteinnahmen, betont man beim Mieterverein.
Grundsätzlich gilt: Wer eine Immobilie eingerichtet vermietet, darf einen Zuschlag für die Möblierung verlangen, wie Kaisers erläutert. So weit, so fair. Das Problem daran ist: Nirgends ist festgeschrieben, wie hoch der ausfallen kann. Vieles ist bis ins Detail geregelt am Mietmarkt - bei Möblierungszuschlägen aber existiert eine Art Grauzone. Die Folge: Verlangt wird oft, was der Markt hergibt. Die Höhe sei immer auch von der Ausstattung der Wohnung und dem Zeitwert des Mobiliars abhängig.  Die wenigen Gerichtsurteile, die bislang ergangen sind, würden kaum kaum Orientierung geben. So halte das Landgericht Berlin  beispielsweise einen Zuschlag von zwei Prozent des Einrichtungszeitwerts pro Monat für gerechtfertigt. Danach dürfte eine Wohnung, die für 5000 Euro eingerichtet wurde, monatlich 100 Euro teurer sein als eine unmöblierte. Für das Landgericht Mannheim sei ein Aufschlag von moderaten elf Prozent des Zeitwerts im Jahr angemessen. Bei Möbeln für 5000 Euro wären das knapp 46 Euro extra im Monat.
Abseits aller Rechenexempel sieht die Realität nach den Analysen aber eher so aus: Möblierte Apartments in vielen Städten werden 60 bis 80 Prozent teurer vermietet als leere Wohnungen.
Mieter von möblierten Wohnungen haben grundsätzlich die gleichen Rechte wie andere Mieter auch. Kündigungsschutz, Betriebskosten, Mietminderung und -erhöhung, das Recht zur Tierhaltung - all das ist rechtlich nicht anders geregelt als bei leeren Wohnungen. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen. Die erste betrifft Wohnraum, der nur vorübergehend vermietet wird, wie etwa Pensionszimmer, Ferienapartments, Monteurs- oder Messeunterkünfte. Hier gelten weder die üblichen Kündigungs- noch Mieterschutzrechte, noch eine Mietpreisbremse. Die Abgrenzung ist fließend. Die Vermietung an Studenten für mehr als ein Semester wäre beispielsweise kein "vorübergehender Gebrauch" mehr. Eine zweite Ausnahme gibt es für einzelne Mieter, die zur Untermiete in das klassische möblierte Zimmer in der Wohnung des Vermieters einziehen. Ihnen kann kurzfristig gekündigt werden.
„Der große Vorteil beim möblierten Wohnen: Der Eigentümer muss das von ihm gestellte Mobiliar sowie die Elektrogeräte selbst instand halten“, erklärt man beim Mieterverein. „Der Kratzer im Parkett, die kaputte Jalousie oder die tropfende Dusche, das müsse vom Vermieter repariert werden. Er habe für die normale Abnutzung, den Verschleiß und Defekte aufzukommen. „Sorglos sollten der Mieter allerdings nicht mit der fremden Einrichtung umgehen. Hat ein Mieter Elektrogeräte schuldhaft oder durch falsche Bedienung beschädigt, weil er beispielsweise die Gebrauchsanweisung vorher nicht gelesen hat, gehen Reparatur oder Ersatz auf seine Rechnung. Der Vermieter kann aber nicht den Neupreis verlangen, sondern muss sich einen Abzug "neu für alt" gefallen lassen. Verlangt er bei Vertragsabschluss vorsorglich eine Haftpflichtversicherung wie häufig der Fall, kann sich der Mieter dem kaum entziehen.“
Außerdem gilt: Wer den Sessel in eine andere Ecke rückt oder den Esstisch durch einen eigenen ersetzt, darf das tun. Das Vermieter-Mobiliar muss zwischenzeitlich sicher gelagert sein und bei Auszug wieder heil an die ursprüngliche Stelle zurück. Um Streit zu vermeiden, sollten Mieter immer auf einer Auflistung der Möblierung bestehen. Die Inventarliste gehört als Anhang in den Mietvertrag hinein.