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12.10.17 - 19:26 Uhr

„Mieterparadiese“ der Wohnbau

Es ist immer die gleiche Geschichte, ob in der Eichgärtenallee 110 , im Waldbrunnenweg 5 oder Karl-Keller Ring 2-4. Die Wohnbau verkündet den Abschluss eines ihrer Projekte zur energetischen Verbesserung des Wohnungsbestandes mit lauten Fanfaren: Wohnwert verbessert, Klimaschutzziele erreicht, 90 Prozent Energieeinsparung, Rest-Heizkosten werden in die Miete integriert ! Wenn man die Zeitungsberichte liest, muss es jetzt ein „Paradies“ sein, in dem man wohnt. Aber dem ist nicht so, denn die Schattenseiten für die Mieter bleiben diskret außer Betracht.

„Da ist der beträchtliche Mietanstieg : bei den Bestandsmietern von 4,30 Euro auf 6,50 Euro pro Quadratmeter, Neumieter zahlen 7,50 bis 8 Euro, - wohlgemerkt ohne Betriebskosten ! Die Mieter zahlen also ordentlich drauf, denn ihre Energieersparnis beträgt nur circa 1 Euro/qm. Für sie rechnet sich die Modernisierung nicht. Selbst in zehn Jahren haben sie nach der Durchführung der Maßnahmen immer noch keine Kostenersparnis bezüglich der Energieausgaben gegenüber der aufgrund der Maßnahme durchgeführten Mieterhöhungen,“ kritisiert der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers und er verlangt, dass auch Mieter ein Recht auf die Wirtschaftlichkeit bei der energetischen Modernisierung haben.

Zudem werde von der Wohnbau auch nicht gesagt, dass auf die Mieter weitere Kosten zukommen, z.B. der jährliche Filterwechsel für die Lüftungsanlage (120 Euro) sowie die Stromkosten für den Dauerbetrieb dieser neuen Errungenschaft (0,5 Euro pro Tag).

Sie diene primär dazu, in den hermetisch gedämmten Räumen Energieverluste zu vermeiden, weil die Fenster möglichst gar nicht geöffnet werden sollen und deshalb schnell Schimmel entstehen kann. Diese Zwangsbelüftung lasse sich auch nicht für einzelne Räume separat regulieren.

Zudem führt die matratzendicke Fassadendämmung dazu, dass weniger Licht in die Räume fällt (Schießscharteneffekt), und man zumindest in der dunklen Jahreszeit früher die Beleuchtung einschalten muss. Auch das treibt die Stromkosten nach oben.

„Ob die Entwicklung des Wärmeverbrauchs in einem energieeffizient sanierten Gebäude dem zuvor errechneten Wärmebedarf entspricht, ist fraglich. Erfahrungen zeigen längst, dass die Nutzer im Vertrauen auf die gute Dämmung bis zu einem Viertel mehr verbrauchen als zuvor kalkuliert. „Rebound-Effekt“ nennen das die Experten. Das kann dem Vermieter egal sein, er rechnet dann die höheren Kosten in die Miete ein,“ erklärt man beim Mieterverein.

Und da ist noch etwas: Die Baumaßnahmen in den Wohngebäuden dauern länger als ein Jahr. Während dieser Zeit sind die Mieter durch eine wahre Vorhölle gegangen, haben die Mieter Lärm, Staub und andere Unbilden ertragen wie z.B. unbenutzbare Balkone oder die Einrüstung der Fassade mit Planen vor dem Fenster ertragen müssen. Mieter dürfen aber nach dem Gesetz (§ 536 BGB) bei der Durchführung einer energetischen Modernisierung in den ersten drei Monate die Miete nicht mindern. Deshalb erlässt die Wohnbau den Mieter für zwei Monate die Miete. Das klingt großzügig, wiegt aber die vielfältigen, erheblichen und langanhaltenden Einschränkungen der Gebrauchstauglichkeit der Wohnung bei weitem nicht auf. „Das „Mieterparadies“ wird von den Mietern im wahrsten Sinne teuer erkauft“, so Kaisers.