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08.10.17 - 17:27 Uhr

Im Herbst gilt es : Laubbläser gegen Rechen

Wenn Wind und Regen die Blätter von den Bäumen fegen, türmt sich nicht nur ein rutschiger Laubwald auf Gehwegen, sondern es fallen für die Hauseigentümer und Mieter auch Kehrpflichten an.

Wie im Winter bei der Räum- und Streupflicht, gilt es im Herbst im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht dafür zu sorgen, dass glitschige Blätter nicht zu einer unliebsamen Rutschpartie von Fußgängern führen - wenn die Gemeinde die Pflicht zum Kehren der Bürgersteige auf die Eigentümer übertragen hat. Auf öffentlichen Wegen ist die Stadtverwaltung in der Pflicht. Darauf weist der Mieterverein in einer Presseerklärung hin.


Während die einen beim Anblick von buntem Herbstlaub wohlig seufzen, schimpfen die anderen erbost über glitschige Geh- und Fahrradwege und verstopfte Gullys.
Und die Frage ist: Wo soll das ganze Laub denn hin? In den nun beginnenden Laubbläser-Wochen kann man wieder viel über Deutschland erfahren. Kaum sind die ersten Blätter still und tot vom Baum gesegelt, entfaltet sich ein Konflikt, der sich so darstellt: Anwohner gegen Stadtreiniger. Laubsauger gegen Rechen. Igel gegen Bosch ALS 25. Ruhebedürfnis gegen Gründlichkeit.
Laubbläser und -sammler dürfen, wenn keine Ausnahmegenehmigung vorliegt, nur werktags zwischen 9 und 13 sowie 14 und 17 Uhr betrieben werden.
Das gilt nicht für die Stadtreinigung. Die hat die Aufgabe, das Laub zu beseitigen, was auf Anwohner manchmal so wirkt, als würde eine feindliche Armee in neonfarbenen Rüstungen mit Hightech-Waffen durch die Straßen und Parks marodieren, fauchend, röhrend, tosend. Die meist hauptamtlichen Laub-Entferner tragen einen Zwei- oder Viertaktmotor auf dem Rücken, manchmal einen Elektromotor, dazu halten sie ein Rohr in der Hand. Die Männer und Frauen vom Stadtreinigungsamt tragen Kopfhörer, was sinnvoll ist bei bis zu 112 Dezibel, also der Lautstärke eines Presslufthammers. Ratsamer wäre aber auch eine Atemschutzmaske. Denn die Geräte wehen neben Laub auch Feinstaub, Schimmelpilze, Sporen und pulverisierten Hundekot in die Luft. Weil zudem jede Menge Frösche, Spinnen, Vogeljungen, Regenwürmer und Igel unter dem Gebläse leiden und darin umkommen, ist der Laubbläser ein besonders verachtetes Gerät.
Die Städte halten, trotz aller Kritik der Bürger, daran fest, denn die Laubmengen sind enorm groß.  Der Großteil wird kompostiert, der Rest, weil er verunreinigt ist, verbrannt - aber ohne Laubbläser geht vorher nichts. Denn  ein solches Gerät leistet je nach Untergrund, Laubart und Feuchtigkeit ungefähr so viel wie drei bis zehn Mitarbeiter mit Rechen.
In den privaten Gärten wäre es jedoch durchaus sinnvoll,  das Laub liegen zu lassen, wo man auch tolerieren muss, wenn Laub vom Nachbarn auf das Grundstück weht oder fällt. Laubrechen ist ja wie Schneeschippen, nur komplizierter. Hinfällig wären damit sämtliche Laubstreitigkeiten, die manchmal sogar die Gerichte beschäftigen. Eine Baum-Expertin rät: "Man kann ja das Laub auch zu Haufen aufrechen, was dann wiederum den Igel freut. Und nicht nur den Igel, auch Schmetterlingslarven, Glühwürmchen, Marienkäfer, Molche und Falter. Und wenn man das Laub gleich liegen lässt, freut sich auch der Baum. In den Blättern sind wichtige Stoffe. Und eigentlich will der Baum die ja zurück."