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03.10.17 - 12:47 Uhr

Bafög reicht für ein WG-Zimmer in Gießen nicht aus

„Viele Studierenden, die sich zum Start des neuen Semesters in Gießen auf Wohnungssuche begeben, bekommen dabei deutlich mehr Probleme als im Vorjahr. Denn im Vergleich zu 2016 hat sich die Wohnsituation für Studenten hier wie in 52 von 91 Hochschulstandorten verschlechtert“, teilt der Mieterverein mit.

Eines der wichtigsten Instrumente, um Menschen den Aufstieg zu ermöglichen, ist in Deutschland tatsächlich das Bundesausbildungsförderungsgesetz, bekannt unter dem Kürzel „Bafög“. Es soll garantieren, dass sich auch jemand das Leben als Student leisten kann, dessen Eltern kein Geld übrig haben, um eine Unterkunft in einer anderen Stadt, das Essen in der Mensa und die Kopierkarten zu finanzieren. Im Herbst 2016 wurde die Wohnkostenpauschale im Bafög um 24 Euro erhöht, sie beträgt jetzt für die Unterkunft  250 Euro. Aber das reicht vorne und hinten nicht.  
„Das zeigt eine neue Studie des Moses-Mendelssohn-Institutes (MMI). Gemeinsam mit dem Portal „WG-gesucht“ haben Wissenschaftler des MMI die Mietpreise in 93 deutschen Hochschulstädten untersucht. Im Schnitt zahlt man demnach für ein WG-Zimmer in Deutschland 353 Euro pro Monat“, erklärt der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers.
In München, der teuersten Stadt für Studenten, seien nach den Ergebnissen des MMI heute durchschnittlich 570 Euro für ein Zimmer fällig, das sind 120 Euro mehr als in der zweitteuersten Stadt Frankfurt (450 Euro) – und mehr als doppelt so viel, wie die Bafög-Pauschale abdeckt. Im Ranking der 91 Universitätsstädte, wo das Wohnen für Studenten am teuersten ist, liege Gießen auf Platz 25. Hier koste ein WG-Zimmer 350 Euro, in Marburg sind es 330 Euro (Platz 29).
„Das Argument, dann müsse man eben in einer günstigeren Stadt studieren, ist Quatsch: Zum einen kann man sich nicht aussuchen, an welcher Hochschule das Studienfach angeboten wird und wo man einen Platz bekommt. Außerdem sind nicht nur ein paar Großstädte horrend teuer, auch immer mehr kleinere Städte sind für Studenten kaum noch bezahlbar,“ so Kaisers.
Unter den hohen Preisen würden nicht nur die Bafög-Empfänger leiden. Aber sie treffe es besonders hart. „Wer einen Anspruch auf Bafög hat, dem bescheinigt das Amt für Ausbildungsförderung ja damit, dass er keine Eltern hat, die aushelfen können. Bafög-Empfänger haben auch keinen Bausparvertrag, den sie auflösen, oder ein dickes Sparkonto, das sie plündern könnten“.
So bleibe manchmal nur die Möglichkeit, zusätzlich zur Bafög-Schuld noch einen Studienkredit aufzunehmen oder neben dem Studium so viel zu jobben, was oft zur Verlängerung des Studiums führe. Manche verzichten deshalb lieber gleich auf den Gang an die Hochschule. Um das zu verhindern, wäre es nötig, das Bafög den Mietpreisen anzupassen.