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03.08.17 - 09:53 Uhr

Teures Wohnen fördert soziale Ungleichheit

Ungleichheit wird in der Regel durch den Vergleich der Haushaltseinkommen innerhalb eines Landes gemessen. Doch es besteht noch eine andere Art der Ungleichheit, und die hat mit der Erschwinglichkeit von Wohnungen zu tun.

Die Auswirkungen dieser Form von Ungleichheit sind um nichts weniger beunruhigend als die der anderen“, schreibt der US-amerikanische Professor für Wirtschaftswissenschaften, Robert J. Shiller, der 2013 mit dem Wirtschaftsnobelpreis ausgezeichnet wurde.

Auf diese bemerkenswerte Aussage weist jetzt der Mieterverein hin und fordert den Magistrat zu verstärkten Anstrengungen bei der sozialen Wohnungsversorgung auf. „Was bisher in Gießen an Neubauten entstanden ist, kann durchweg nicht als bezahlbarer Wohnraum gelten,“ so der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers.

In vielen Städten werde das Wohnen für Menschen mit bescheidenerem Einkommen unerschwinglich. Steigen die Immobilienpreise in einer Stadt, seien manche Einwohner gezwungen wegzuziehen. Vor diesem Prozess der Verdrängung (Gentrifizierung) warnt auch eine aktuelle Studie des renommierten Prognos-Institutes mit dem Titel „Wohnraumbedarf in Deutschland  und den regionalen Wohnungsmärkten“, die Gießen zu den 96 Städten in Deutschland mit angespanntem Wohnungsmarkt rechnet.  
„Die Folgen der Vertreibung, so Professor Shiller, „sind nicht nur wirtschaftlicher Natur. Menschen werden aus Städten vertrieben, in denen sie ihr ganzes bisheriges Leben verbracht haben. Sie verlieren langjährige Beziehungen zu anderen Menschen; das kann traumatisch sein. Wenn zu viele alteingesessene Einwohner aufgrund steigender Immobilienpreise hinausgedrängt werden, leidet auch die Stadt selbst unter einem Verlust der Identität und sogar der Kultur.“
Shiller warnt davor, dass sich mit dem Abschied dieser Menschen eine teure Stadt schrittweise zu einer Enklave von Haushalten mit hohen Einkommen entwickele, in der die Werte dieser Menschen Platz greifen. Die zunehmende geografische Trennung von Menschen unterschiedlicher Einkommen könne die Ungleichheit noch verschärfen, die Gefahr sozialer Polarisierung - und sogar ernsthafter Konflikte – wächst. „Deshalb ist es enorm wichtig, ausreichend Wohnraum für Haushalte mit niedrigem Einkommen bereitzustellen“, so der US-Wissenschaftler.