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20.06.17 - 17:42 Uhr

Über die Vorteile einer Genossenschaftswohnung

Vielerorts ist der Mietraum knapp und teuer. Auch in Gießen und anderen Universitätsstädten gibt es kaum bezahlbare Wohnungen. Besonders unangenehm wird es für Mieter, wenn es dann auch noch zum Streit mit dem Vermieter kommt. Als günstige Alternative erscheint vielen da das Wohnen in einer Genossenschaftswohnung. Doch worin unterscheidet sie sich von anderen Mietwohnungen?

"Genossenschaftswohnungen sind zunächst ganz normale Mietwohnungen", sagt der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers. „Der Unterschied besteht darin, dass der Vermieter kein gewinnorientiertes Unternehmen ist. Die Mieter selbst sind die Eigentümer - in Form einer Genossenschaft." Normalerweise wohne man deshalb preiswerter. Manche Städte mit angespannten Märkten fördern solche Projekte. Zudem wohnen die Genossen vergleichsweise sicher, denn Genossenschaften machen keinen Eigenbedarf geltend. "Wer sich an die Regeln des Mietvertrages hält, hat praktisch lebenslanges Wohnrecht", erklärt man vom Mieterverein.
"Genossenschaftsmitglieder haben ein Mitspracherecht, sodass sich die Genossenschaft an den Interessen der Mitglieder orientiert - und nicht an jenen fremder Kapitalgeber", erklärt Eric Meyer vom Institut für Genossenschaftswesen der Uni Münster. So bieten viele Genossenschaften auch verschiedene Services an. Laut Meyer können das schnelle Reparaturen sein, aber auch bereitgestellte Gästewohnungen und Gemeinschaftsräume, Betreuungsleistungen für ältere Menschen, ein sehr günstiger Internet- und Fernsehanschluss, Schuldnerberatungen, Carsharing, Concierge-Services und vieles mehr.
Aber wie kommen Interessierte an eine Genossenschaftswohnung? "Grundsätzlich ist es notwendig, dass man Mitglied, also Miteigentümer einer Genossenschaft wird. Statt eines Mietvertrages unterschreiben künftige Genossenschaftsmitglieder einen „Nutzungsvertrag“ und zahlen einen oder mehrere Geschäftsanteile. Diese Anteile werden häufig mit der Mietkaution verwechselt, sie sind aber etwas völlig anderes", erklärt Kaisers. Denn mit den Geschäftsanteilen werde der Mieter Miteigentümer aller Wohnungen der Genossenschaft und damit auch indirekt von seiner eigenen Wohnung.
Die Mitgliedschaft könne von den Mitgliedern leicht wieder gelöst werden. Wer die Wohnung verlasse, erhalte das Geld für die eingezahlten Geschäftsanteile zurück. Unter Umständen zahle die Genossenschaft die Anteile erst nach einer Wartezeit, meist nach der nächsten Genossenschaftsversammlung,  zurück. Diese Zeit ist in der Satzung der Genossenschaft geregelt.
"Für die Geschäftsanteile zahlen Mitglieder einmalig zwischen 500 und 3000 Euro", heißt es beim Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW). Bei neu gegründeten Genossenschaften könne der Betrag auch höher ausfallen. „Die Beiträge werden verzinst, und den Gewinn zahlen manche Genossenschaften auch wieder an ihre Mitglieder aus. Darüber hinaus gibt es in Deutschland einige Wohnungsgenossenschaften mit Spareinrichtung. Diese bieten ihren Mitgliedern Sparkonten und Sparbriefe mit günstigen Zinsen an. "Mit dem eingesammelten Geld darf die Genossenschaft nicht spekulieren, sondern es nur zur Gebäudepflege, Modernisierung und zum Neubau verwenden".
Mit der Mitgliedschaft in einer Genossenschaft gehe natürlich ein gewisses wirtschaftliches Risiko einher. Das gelte aber bei jeder Unternehmensform, an der man sich beteiligt. Genossenschaften haben aber die niedrigste Insolvenzquote im Vergleich zu anderen Rechtsformen. Das relativiert das Risiko.
In Deutschland gibt es etwa 2000 Wohnungsbaugenossenschaften, und insgesamt gehören ihnen rund 2,2 Millionen Wohnungen. Das entspricht knapp einem Zehntel aller deutschen Mietwohnungen. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Genossenschaften: Es gibt kleine, die vom Engagement ihrer Mitglieder geprägt sind, ebenso wie große, die ein breites Wohnungsangebot haben. Ihre Wohnungen vergeben die Genossenschaften stets nach festen Kriterien. Einfacher kommt man an die Wohnungen deshalb aber nicht heran.
"Genossenschaftswohnungen sind begehrt und deshalb gerade in Groß- und Universitätsstädten schwerer anzumieten als eine normale Mietwohnung", sagt Kaisers. Interessierte landen dann erst einmal auf einer Warteliste. Er rät Interessierten deshalb, sich frühzeitig eintragen zu lassen. "Wenn die Größe, Lage, Ausstattung stimmen, spricht nichts gegen eine Genossenschaftswohnung."