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24.05.17 - 11:35 Uhr

Gefahr der Fehlplanung bei der Stadtentwicklung

„Die auf weiteres forciertes Wachstum der Stadtbevölkerung ausgerichtete Stadtentwicklungspoltik des Magistrates mit noch mehr Innenstadtverdichtung läuft Gefahr, am Bedarf vorbeizuplanen,“ kritisiert man beim Mieterverein.

Der regt erneut an, im Rahmen eines kleinen Pilotprojektes (ggf. gefördert vom Innenministerium) zu einer gesicherten und reflektierten Zahlenreihe über die Entwicklung der Stadtbevölkerung sowie die Zahl der Haushalte bzw. Haushaltsgrößen zu kommen.
„Dazu sollten die verschiedenen Akteure (z.B. Hessen-Agentur,  Statistisches Landesamt,  Einwohnermeldeamt und Stadtplanungsamt der Stadt Gießen, die JLU und THM etc.)  eine Bestandsaufnahme machen und die Kriterien für die Fortschreibung der Zahlen definieren. Diese fortgeschriebenen Daten wären dann im halbjährigen Rhythmus zu veröffentlichten. Dabei sollte auch berücksichtigt werden, dass diese Zahlen differenziert für die einzelnen Stadt- bzw. Ortsteile erhoben und veröffentlicht werden,“ sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers und ergänzt: Daraus könn(t)en viele allgemeine und auch auf andere Kommunen übertragbare Lehren gezogen werden.“    
Der Bedarf an zu schaffendem Wohnraum und die Planungs- bzw. Baufertigstellung seien bislang zeitlich nicht vernünftig in Übereinstimmng gebracht worden. Wäre das geschehen, hätte es nämlich dazu geführt, dass z.B. die Forderung im Wohnraumversorgungskonzept, wonach "der Wohnungsneubau ebenso wie die Bestandsentwicklung in Gießen in den kommenden Jahren forciert werden muss", grundlegend falsch ist. Insbesondere der Zubau weiterer hochpreisiger Wohnungen mit Mietpreisen >10-12,-Euro/qm birgt die Gefahr der Blasenbildung.
„Stattdessen muss man davon ausgehen, dass die aktuell in Fertigstellung befindlichen Wohnquartriere Güterbahnhof, Bergkaserne, Schlachthof, US-Depot, RKH-Gelände etc. diesen Bedarf weitgehend decken werden. Weitere rund 5.000 Wohneinheiten, von dem die im Wohnraumversorgungskonzept dokumentierten Zahlen sprechen, gibt es in dieser Form nicht“, so Kaisers. Der wäre allenfalls dann realistisch, wenn es neue und valide Zahlen zum deutlichem Wachstum der Bevölkerung gäbe. Das ist aber nicht der Fall.
Beim Mieterverein weist man darauf hin, dass der Zuwachs der Stadtbevölkerung  im weit überwiegenden Teil aus dem Zuwachs an Studenten an den Gießener Hochschulen resultiere. Diese Entwicklung sei aber zum Stillstand gekommen. „Ja, man muss davon ausgehen, dass die Studierendenzahlen zunächst stagnieren und dann rückläufig sein werden. Es ist auch nicht erkennbar, aus welch anderer Richtung ein ausgeprägtes weiteres Wachstum der Gießener Bevölkerung kommen könnte. Die Träume von der Großstadt Gießen sind jedenfalls eine Illusion. Eine solche Entwicklung wäre für die Stadt mit ihren engen Gemarkungsgrenzen auch fatal, denn dazu müsste dann in erheblichem Umfang im Außenbereich neu gebaut werden. Schon heute werden Frischluftschneisen missachtet und stadtklimatische Aspekte geraten immer mehr ins Hintertreffen.“
„Im übrigen“, erkärt Kaisers, „hängt der Wohnungsbedarf nicht von der Einwohnerzahl ab, sondern von der Zahl der Haushalte und der Veränderung der Haushaltsgrößen. Auf Basis der Zahlen für 2004 bis 2014 von der Hessischen Gemeindestatistik zeigt sich aber, dass sich z.B. die durchschnittliche Haushaltsgröße in Gießen ebenso wie in Marburg nicht oder nur marginal verändert hat. Dem sollte man nachgehen, wenn diese Zahl eine der beiden maßgeblichen für die Berechnung des Bedarfs an Wohneinheiten ist. Interessant wären hierzu Vergleichszahlen aus anderen Universitätsstädten, die eine ähnliche Größe wie Gießen haben, etwa Tübingen, Jena oder Lüneburg.