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30.05.17 - 11:36 Uhr

Bau neuer Sozialwohnungen kommt nur schleppend voran

Der Bau dringend benötigter öffentlich geförderter Wohnungen kommt nur schleppend voran. Die Wohnungsunternehmen kritisieren die strengen Standards. Und manche Bundesländer wie das wohlhabende Hessen stellen zu wenig Mittel bereit.

Wer die hohen Mieten in den Städten nicht bezahlen kann, dem bleibt oft nur die Hoffnung auf eine Sozialwohnung. Davon aber gibt es bei Weitem nicht genug. In Gießen werden mindestens 500 zusätzliche öffentlich geförderte Wohnungen benötigt. Bundesweit werden 5,5 Millionen Sozialwohnungen gebraucht, es stehen aber nur 1,4 Millionen Wohnungen zur Verfügung. Immerhin: Es wird wieder deutlich mehr gebaut. Im vergangenen Jahr wurden laut Wohnungsbündnis knapp 25 000 Sozialwohnungen fertiggestellt, fast 10 000 mehr als im Vorjahr. Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) spricht von einer "Trendwende".

"Wir kommen bundesweit jedoch aus dem Kellergeschoss und haben im vergangenen Jahr gerade einmal die ersten Stufen nach oben geschafft", meint der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Noch immer baue man "weit weg vom tatsächlichen Bedarf". In vielen Städten Hessens, allen voran in Frankfurt, ist der Wohnungsmarkt besonders angespannt und der Bedarf an geförderten Wohnungen entsprechend hoch. In Hessen wurden im vergangenen Jahr knapp 3000 Sozialwohnungen fertiggestellt. Grund für diesen Aufschwung seien allen voran die attraktiven Bedingungen am Kapitalmarkt, sagt Kaisers. Unternehmen können sich Geld für weniger als 2,5 Prozent leihen, und das bei einer Zinsbindung von 30 Jahren. Während die niedrigen Zinsen die Investitionen anschieben, werfen Bundes- und Landespolitik den baufreudigen Unternehmen zu oft Knüppel zwischen die Beine.

Der Bestand an öffentlich geförderten Mietwohnungen ist auch in Hessen erneut dramatisch zurück gegangen. Im Zeitraum von drei Jahren sank die Zahl zum Ende des Jahres 2015 auf nur noch 100.660 Wohneinheiten. Ein Verlust von insgesamt fast 20.000 Wohnungen seit Ende 2012. Allein im Jahr 2015 reduzierte sich die Zahl um über 12.000 Wohnungen. Es zeige sich mehr als deutlich, dass die halbherzige Wohnungspolitik der schwarzgrünen Landesregierung bei weitem nicht ausreiche, den Sozialwohnungsbestand in Hessen wieder zu erhöhen, erklärt man beim Mieterverein. Die Landesregierung verweise stolz auf Fördermittel von 1,2 Mrd. Euro, sage aber nicht, dass dies für 4 Jahre gedacht ist. Mit den Programmen der Landesregierung würden in den Jahren 2015 bis 2019 gerade einmal 3.000 neue Wohnungen pro Jahr geschaffen. Viel zu wenig, um den Wegfall der vergangenen Jahre auch nur annähernd zu begegnen, geschweige denn den Trend umzukehren.

Von den Wohnungsunternehmen werden außerdem die Vorgaben der Bundesregierung kritisiert. Vor allem die steigenden energetischen Standards machten den Neubau immer teurer, heißt es von dort. Schon heute würde sich der Bau von Sozialwohnungen kaum rechnen. "Darum gibt es auch kaum private Investoren. Sollten sich die Bedingungen am Kapitalmarkt ändern, könnte es mit dem Aufschwung beim Neubau schnell wieder vorbei sein. Wenn die Zinsen nur um zwei Prozent steigen, dann ist der soziale Wohnungsbau mausetot", sagt ein Sprecher des Verbandes der Wohnungsunternehmen (VdW).