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17.05.17 - 16:41 Uhr

Die „Erfolgsgeschichte Vonovia“ aus Mietersicht

„Bei Vonovia, der früheren Deutschen Annington, dem größten deutschen Wohnungskonzern, wohnen fast eine Million Menschen zur Miete. Der Profit steigt, die Verschuldung geht zurück, die Aktionäre sind zufrieden. Doch funktioniert all das nur, weil die Vonovia Mieten erhöhen kann, zum Beispiel nach Modernisierungen“.

Stefan Kaisers, der Vorsitzende des Mietervereins, bringt den Konflikt auf den Punkt: "Es ist etwas anderes, ob man an einer Wohnungsgesellschaft beteiligt ist oder an einem Dax-Konzern, der etwa Zement oder Autos herstellt. Die Wohnung ist keine Ware."
Vonovias Produkt sind 340.000 Mietwohnungen bundesweit, auch in Gießen und umliegenden Kommunen. Die Aktionäre genehmigten sich am Dienstag eine Rekord-Dividende von 1,12 Euro pro Aktie, nachdem der operative Gewinn im vergangenen Jahr auf 760 Millionen Euro gestiegen ist. Im laufenden Jahr werde das Ergebnis weiter zulegen, prognostizieren die Manager. Für nächstes Jahr stellen sie nun mindestens 1,30 Euro Dividende in Aussicht.
„Doch die tolle Geldanlage der Aktionäre ist das Wohnzimmer der anderen“, meint Kaisers. „Wir erfahren von den Mietern der Vonovia immer wieder von umstrittenen Mieterhöhungen, von Kosten für einen Müllmanager, den man noch nie in der Siedlung erblickt habe. Die Mieter berichten uns, dass sie  kaum Mitarbeiter vor Ort erreichen oder ihre Betriebskosten-Abrechnungen nicht verstehen. Diese Probleme sind keineswegs   neu, sie waren ja der Gund, warum das Unternehmen wegen seines schlechten Images den Namen gewechselt hat. Dem fairen Mietpreis müsste eine faire Leistung gegenüberstehen“, fordert der Mieterverein, „doch daran bestehen erhebliche Zweifel.“
„Politisch brisant ist all das, weil viele Vonovia-Immobilien einst als Sozialwohnungen gebaut wurden, von Städten, Gewerkschaften oder Großunternehmen. Doch viele dieser Akteure haben ihre Immobilien in den Neunzigerjahren privatisiert. Deshalb konnten Großkonzerne wie Vonovia, Deutsche Wohnen oder LEG erst entstehen“, erklärt man beim Mieterverein und fügt hinzu: „Das Unternehmen baut viel zu wenig Wohnungen, kauft lieber weitere Wohnungsbestände auf. Damit entstehen aber keine dringend benötigten neuen Wohnungen.“