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14.03.17 - 17:50 Uhr

Licht- und Schattenseiten der Großvermieter

Auch in Gießen wohnen nicht wenige Haushalte in Wohnungen, die den großen Wohnungsunternehmen gehören. Dazu zählt die Vonovia, Deutschlands größter Immobilienkonzern. Vonovia verdient prächtig. Der operative Gewinn des Unternehmens ist um 25 Prozent gestiegen - nicht zuletzt, weil die Firma die Mieten im Schnitt um 3,3 Prozent erhöht hat. Es ist Zeit, sich das System Großvermieter und ihre Methoden genauer anzusehen.

Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zieht eine durchwachsene Bilanz der Entwicklung. Zwar hätten die Großvermieter den Leerstand abgebaut. Sie würden ihre Größe nutzten, um z.B. Gas für ihre Mieter günstiger einzukaufen. Ihr Schuldengrad sinke, solange die Immobilien an Wert gewinnen.
Aber: Mieter beklagen immer öfter einen Serviceverlust. Wo sich früher Hausmeister und Immobilienkaufleute um die Belange der Mieter kümmerten, arbeiten heute „Objektbetreuer und Callcenter-Beschäftigte“, viele ohne Tarifvertrag. „Das Verhältnis zwischen den Konzernen und ihren Mietern ist meist unpersönlich, kritisiert der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers, und fügt hinzu "Und börsennotierte Vermieter neigen eher dazu, Streitfälle schnell juristisch zu klären." Davor würden viele Mieter zurückschrecken. Beim Meterverein weiß man, dass vor allem über Nebenkostenabrechnungen und Mieterhöhungen gestritten wird.
Betroffen sind viele Mieter in Deutschland. Vonovia besitzt inzwischen 338 000 Wohnungen, die „Deutsche Wohnen“ vermietet 146 000 Wohnungen; gerade hat der Konzern weitere 3900 dazugekauft. Darunter sind viele einstige Sozialwohnungen, die allmählich aus der Preisbindung fallen.

Wo liegen die Problemfelder ?

Problemfall: Mieterhöhungen
Alle 15 Monate darf ein Eigentümer die Miete anpassen, bis zur ortsüblichen Vergleichsmiete. Wo es der Markt zulässt, nutzen börsennotierte Vermieter diese Spielräume "weitgehend aus", berichtet der Mietereverein.So zeigt der Mietenindex, dass die Kaltmieten allgemein zwischen 2006 und 2016 um 13,1 Prozent stiegen, bei der Vonovia waren es 27,6 Prozent. Kaises rät daher den Mietern, bei Schreiben der (Groß-)Vermieter genau hinzusehen. "Jedenfalls sollte man nicht ungeprüft sein Geld aus dem Fenster werfen."

Problemfall : Modernisierungen
Wer eine Wohnung modernisiert, darf elf Prozent der Kosten auf die jährliche Miete umlegen. So steht es im Gesetz. Vonovia gibt Jahr für Jahr mehr Geld aus für neue Fenster und Balkone, Dämmungen und Aufzüge. In diesem Jahr sollen die Investitionen um weitere 50 Prozent steigen, heißt es vom Unternehmen.
Die Maßnahmen dienen dem Zweck, Energie einzusparen und Gebäude seniorengerecht umzubauen. Und nicht immer legt Vonovia die vollen elf Prozent auf ihre Mieter um. Aber angesichts der niedrigen Energiepreise sind die Mietsteigerungen oft weit höher als die eingesparten Heizkosten, sodass die Mieter eine höhere Warmmiete tragen müssen als vor den Modernisierungen", sagt der Mietervereinsvorsitzende. Ein Beispiel : Die neue Heizung für ein Miethaus soll 20 Prozent Energie sparen. So steht es in der Ankündigung. Die Mieter sparen gerade sieben Euro pro Monat,doch Vonovia würde die Monatsmiete um 70 Euro erhöhen. Ein krasses Missverhältnis.

Problemfall: Wohnungsneubau
Beim Neubau hinken die privatwirtschaftlichen Konzerne den städtischen Gesellschaften hinterher. Viele größere Städte, so auch Gießen, haben ihre kommunalen Gesellschaften dazu gebracht, endlich verstärkt neue Wohnungen zu bauen. Doch die Großvermieter wagen sich nur zögerlich auf dieses Feld. Sie kaufen lieber weitere Wohnungen hinzu.
In diesem Jahr will Vonovia nun andere Konkurrenen überholen und etwa 1000 neue Mietwohnungen auf bestehenden Grundstücken bauen, mit Hilfe von Aufstockungen und Neubau in Städten mit steigenden Mieten. Auch die Deutsche Wohnen treibt den Ausbau von Dächern und Obergeschossen voran.
"Wir werden vor allem bezahlbare Wohnungen bauen, um das knappe Angebot etwas zu erhöhen", sagt Vonovia-Chef Buch. Sein Konzern alleine werde das Problem der Wohnungsknappheit aber nicht lösen können, meint er.