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24.01.17 - 12:49 Uhr

Digitale Einbruchsicherung schützt nur bedingt

Das Thema Videoüberwachung ist zur Zeit in aller Munde. Dabei denken etliche Kommunen, darunter auch Gießen, darüber nach, mehr Kameras im öffentlichen Raum aufzustellen. Auch viele Privatleute wollen so ihr Eigentum schützen. Allerdings gibt es dafür enge Grenzen.

„Zwar steigt die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt nicht mehr, aber die gefühlte Unsicherheit nimmt zu. Für das Jahr 2015 meldet die Polizeistatistik 167.136 Fälle. Versicherer zahlten in dem Jahr mehr als 530 Millionen Euro für Einbruchschäden aus. Daten für 2016 gibt es noch nicht. Aber der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) prognostiziert für das Jahr leicht rückläufige Einbruchszahlen.“
Langsam komme auch in Deutschland ein Trend an, der in den USA schon sehr verbreitet sei. Digitale Haustechnik soll das Heim schützen. Mit Glasbruchsensoren, Überwachungskameras, Bewegungs-, Rauch- und Gasmeldern ausgestattet, würden Haus oder Wohnung zur sicheren Festung - gesteuert und überwacht über eine Alarmzentrale, die ihrerseits mit einer App auf dem Smartphone kontrolliert wird. Über das Internet könne der Bewohner von überall auf der Welt sein Zuhause fernsteuern, die Stehlampe einschalten oder abends die Rollläden herunterlassen. Mache sich ein Eindringling am Haus zu schaffen, schlage die App Alarm oder ruft direkt die Polizei. Ein Rauch- und Gasmelder, der bei Feuer automatisch die Feuerwehr ruft, gehöre bald ebenso zum Angebot wie die "smarte Haustür", die Bilder verschicke, wenn sich jemand an ihr zu schaffen macht.
Reiche Leute haben schon lange Alarmanlagen in ihren Villen und Penthousewohnungen. Aber die kosten schnell Zehntausende Euro.
Die neuen, digitalen Systeme schaffen Sicherheit für einen Bruchteil des Preises, versprechen die Hersteller. Experten sind aber skeptisch, was die Effektivität der neuen Angebote im Ernstfall angeht.
„Für die Versicherer ist das Smart Home trotzdem hochinteressant. Denn die Unternehmen wollen vom Prämiensammler und Schadenzahler zum Helfer im Alltag werden, und das möglichst digital. Das sichert ihnen den Kontakt zum Kunden. Deshalb bieten immer mehr Gesellschaften ihre Policen zusammen mit einem Technikpaket und der Aufschaltung auf einer Notfallzentrale an. Waren Einbrecher im Haus, schickt der Versicherer nicht nur den Schadenexperten, sondern organisiert auch den Glaser für das eingeschlagene Fenster“, erläutert der Mietervereinsvorsitzende , Stefan Kaisers, den Hintergrund.
Bisher seien die Angebote noch am Anfang. Die deutschen Versicherer hätten 25,8 Millionen Hausratpolicen im Bestand, aber nur wenige tausend Kombiangebote mit Smart-Home-Elementen verkauft. Und die meisten würden dafür, dass Kunden sich digitale Anlagen anschaffen, keinen Rabatt auf die Prämie gewähren. Die Branche setzte beim Einbruchschutz weiter auf Altbewährtes. Die neuen digitalen Systeme könnten nämlich Schloss und Riegel nicht ersetzen. "Mechanische Sicherungen gehen vor", rät der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft .
Dort heißt es : „Ein Smart-Home-System bietet nur ausreichend Schutz, wenn die Schwachstellen am Haus ausreichend mechanisch gesichert sind. Das Ziel einbruchhemmender Maßnahmen muss sein, dass Einbrecher gar nicht erst ins Haus gelangen. Wenn der Bewegungsmelder im Wohnzimmer Alarm schlägt, ist es bereits zu spät - den Kriminellen bleibt genug Zeit für den Beutezug. Deshalb fordern die Hausrat-Versicherer bei Vertragsschluss grundlegende Einbruchssicherungen an Haus und Wohnung. Außentüren brauchen ein bündiges Zylinderschloss mit einem Sicherheitsbeschlag, der von außen nicht abzuschrauben ist. Fenster und Terrassentüren sollten mit Pilzkopfzapfenverriegelungen, Zusatzschlössern oder Hebe- und Schiebesicherungen geschützt sein.“
Langfristig werde es allerdings wahrscheinlich, dass eine immer ausgefeiltere digitale Haustechnik auch die Versicherungsprämien beeinflusst..