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30.09.16 - 16:04 Uhr

Dämmstoff Polystyrol gilt jetzt als "Sondermüll"

Was viele Fachleute schon vorhergesagt hatten, ist nun Realität. Ab dem 1. Oktober wird die Verwendung von Polystyrol, besser bekannt unter dem Namen Styropur, zu einem Entsorgungsproblem, denn das Material ist jetzt von der EU als „Sondermüll“ eingestuft worden.

Es ist mittlerweile weltweit verboten, denn es steht unter anderem im Verdacht, die Fortpflanzung zu beeinträchtigen. Den Mieterverein treibt die Sorge: Vermieter könnten auf die Idee kommen, die teure Entsorgung des Materials auf die Mieter umzulegen. So wie einst die Verlegung der Dämmstoffplatten.

Seit den Fünfzigerjahren dämmen solche Platten Fassaden und Dächer, sie umgeben Fußbodenheizungen oder verringern den Trittschall. Energiespar-Gesetze verhalfen der Dämmung in den Siebzigern endgültig zum Durchbruch. Mehr als jedes zweite Haus in Deutschland dürfte irgendwo Styropor verbaut haben. Was da an den Fassaden klebt ist ab sofort nicht mehr nur Polystyrol, sondern Sondermüll.
Schuld ist ein nachträglich beigemengter Stoff: Hexabromcyclododecan, kurz HBCD. Seit gut fünfzig Jahren sorgt er dafür, dass die Polystyrolplatten nicht so leicht entflammbar sind. Es war der günstigste Brandschutz für das günstigste Dämmmaterial, deshalb ist er so verbreitet. Nach Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik wurde die Dämmung zwischen 1950 und 2012 an 720 Millionen Quadratmetern Gebäudefläche verbaut. Was keiner wusste: HBCD ist giftig und obendrein verdammt langlebig.
„Gefährlich ist das nicht für die Bewohner und auch nicht für diejenigen, die mit dem Stoff hantieren. Doch die kleinen Kügelchen gelangen in Flüsse oder Seen, Tiere halten sie für Nahrung. So reichert sich der Schadstoff in der Umwelt an. 2013 begann das Verfahren für das Verbot des Stoffes in der EU, nun liegt die offizielle Einstufung als "gefährlicher Stoff" - Sondermüll, vor“, erklärt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.
Chaos herrsche schon jetzt. Viele der betroffenen Häuser seien mittlerweile reif für eine Sanierung. Die alte Dämmung müsse herunter, eine neue aufgebracht werden. Bisher sei das Polystyrol meist über Müllverbrennungsanlagen entsorgt worden. Was das giftige HBCD angeht, leisten die eigentlich ganze Arbeit: In der Hitze des Ofens zerfällt der Stoff. Doch wegen der neuen Einstufung gelten plötzlich ganz andere Regeln.
Um das Zeug verbrennen zu können, brauchen die Öfen nun Sondergenehmigungen - die wenigsten haben eine. Auch darf der Dämmstoff nicht mehr zusammen mit anderem Müll verbrannt werden. Wird er aber in größeren Mengen getrennt verfeuert, ist die Hitze größer, als die meisten Anlagen es aushalten. Die Folge: Kaum einer nimmt den Stoff noch an.
Auch Wertstoffhöfe wollen mit Styropor nichts mehr zu tun haben. Schließlich birgt jedes Kügelchen ab sofort akutes Giftrisiko. Selbst Reste von Putz oder Kleber gelten als kontaminiert. Containerfirmen weigern sich, Bauschutt mit dem alten Dämmmaterial abzufahren. So bleibt er auf den Baustellen liegen.
Beim Mieterverein ist man der Ansicht, dass spätestens jetzt der Punkt gekommen sei,  ein vollständiges Verwendungsverbot von Polystyrol als Baustoff umzusetzen.