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30.08.16 - 18:49 Uhr

Wie Stromkunden getäuscht werden

Hunderttausende deutscher Stromkunden erhalten in diesen Wochen Post von ihren Versorgern. Mindestens 240 Anbieter haben seit dem Jahreswechsel den Strom verteuert. Laut Gesetz müssen sie die Abnehmer erstens darüber informieren.

Und zweites müssen sie auf das Sonderkündigungsrecht hinweisen, das den Kunden wegen der Preiserhöhung zusteht. Doch viele Anbieter scheuen es, diese Botschaft offen zu verkünden. Stattdessen versuchen sie der Kundschaft die Verteuerung mithilfe von Tricks unterzujubeln“, teilt der Mieterverein in einer Presseerklärung mit.

„Da heißt es zum Beispiel bei einem Stromanbieter auf Seite 2 der Mitteilung versteckt: „Zusammen mit den gesunkenen Einkaufskonditionen gelten daher ab dem 01.10.2016 folgende Preise in Ihrem Tarif“. Und: „Der Arbeitspreis in Cent/kWh liegt bei 27,79“.   Das klingt harmlos, bedeutet aber für den Kunden mit vierköpfiger Familie im Schnitt rund 120,00 Euro Preiserhöhung im Jahr. Beim Nachschauen im alten Vertrag zeigt sich dann: Bislang verlangte der Anbieter weniger als 25 Cent pro Kilowattstunde (kWh)“,erklärt der Vorsitzende des Vereins, Stefan Kaisers.

Eigentlich sei es genau die falsche Zeit, um Stromtarife zu erhöhen. Im Großhandel an der Börse seien die Strompreise dieses Jahr auf den tiefsten Stand seit 2003 gefallen; zeitweise waren es kaum mehr als 2 Cent je Kilowattstunde. Der Endverbraucherpreis hingegen schwebe in luftigen Höhen. Im Mittel zahlen Privatkunden 27,11 Cent. Mehr als  25 Millionen Deutsche sitzen sogar noch auf dem extrem teuren Grundversorgungstarif, weil sie aus Unwissenheit oder Trägheit nie den Anbieter oder den Tarif gewechselt haben. Sie müssen durchschnittlich 30,29 Cent pro Kilowattstunde hinblättern. Mehr als je zuvor.
Natürlich ist im Strompreis, den die Kunden zahlen, mehr enthalten als nur der Einkaufspreis im Großhandel. Er enthält Steuern sowie die sogenannte EEG-Umlage für Solar-, Wind- oder Biogasanlagen. Deren Betreiber dürfen ihren Strom zu höheren Preisen ins Netz einspeisen. Die Kosten werden auf die Allgemeinheit umgelegt. Es ist also unbestritten, dass auch die Energiewende, zu deren Finanzierung die EEG-Umlage eingeführt wurde, Elektrizität verteuert.

Aber ist die Energiewende alleine Schuld? Wenn man so manches Erhöhungsschreiben liest, könnte man das denken. „Hierdurch steigen (…) Abgaben und Umlagen in der gesamten Branche“, schreibt ein Anbieter. „Zum Beispiel die staatliche Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage oder die Netznutzungsentgelte, die zur Veränderung Ihres Strompreises führen“.

Das ist allerdings nur kleiner Teil der Wahrheit. Die Kraft-Wärme-Kopplungs-Umlage ist gegenüber 2015 in der Tat gestiegen, jedoch nur um 0,19 Cent pro Kilowattstunde. Die Netznutzung ist im Schnitt um 0,17 Cent teurer geworden, die EEG-Umlage um gut 0,18 Cent, andere Abgaben um 0,23 Cent. Im Gegenzug ist der durchschnittliche Strom-Beschaffungspreis aber um 0,45 Cent gefallen. In der Summe dürften die Kostensteigerungen nur 0,33 Cent betragen; mit Umsatzsteuer  wären das  0,40 Cent. Der Preisaufschlag, den viele selbst erklärte Strom-Discounter verlangen, ist aber mehr als sieben Mal so hoch : 2,86 Cent pro Kilowattstunde.



Beim Mieterverein gibt man 5 Tipps für die Stromkunden:

1. Aus der Grundversorgung herauskommen
Wer noch in einem teuren Grundversorgungstarif ist, sollte den schnell kündigen. Der neuer Anbieter regelt meist die Formalitäten.

2. Ein dauerhaft gutes Angebot suchen
Der Kunde sollte ein dauerhaft gutes Angebot suchen. Starten kann man dazu auf Internetseiten wie Check24 oder Verivox. Aber Vorsicht: Oft sind die scheinbar billigsten Angebote der Stromvergleichsportale auf Dauer teuer. Man lassen sich nicht vom Neukundenbonus „blenden“, den gibt es nämlich nur einmal. Zu vermeiden sind zudem Pakettarife, bei denen man eine feste Strommenge vorab einkaufen muss. Nicht genutzte Kilowattstunden (kWh) verfallen dabei oft. Verbraucht man mehr, wird kräftig abkassiert.
Und: Es ist ratsam, auf den Verbraucherportalen im Netz vor Vertragsabschluss den Ruf des möglichen Anbieters  zu prüfen.

3. Was man maximal zahlen sollte
Über die Höhe Ihrer Rechnung entscheidet vor allen Dingen der Arbeitspreis pro Verbraucher- Kilowattstunde. Unter 24 Cent ist es günstig, ab 27 Cent wird es teuer.

4.Die Mitteilungen des Stromversorgers lesen
Verschleierte Preiserhöhung, „vergessener“ Bonus: Schauen Sie genau hin, was Ihnen geschickt wird. Dann reklamieren Sie so schnell wie möglich.

5. Stromverbrauch senken
Die billigste Kilowattstunde ist diejenige, die nicht verbraucht wird. Vier-Personen-Haushalte, die alle Elektrogeräte ganz ausschalten, anstatt sie im Stand-by-Betrieb zu halten, sparen pro Jahr schnell 100 Euro. Ein neuer Kühl- und Gefrierschrank oder eine moderne Heizungspumpe, anstelle der alten Stromfresser, können die Rechnung um je 50 – 100 Euro pro Jahr drücken.