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02.08.16 - 10:28 Uhr

Das Schimmelproblem wächst - Kommt jetzt die Zwangslüftung ?

„Wegen moderner Fenster und gedämmter Fassaden staut sich in vielen Wohnungen die Feuchtigkeit. Schimmel ist oft die Folge. Werden automatische Lüftungen bald Pflicht“, fragt man beim Mieterverein, der sich vor allem in der kälteren Jahreszeit viel mit Baumängeln befassen muss.

„Derzeit bereitet die Bundesregierung eine Verschärfung des Baurechts vor. Ziel ist eine abermals novellierte Energieeinsparverordnung (EnEV) - und in diesem Zusammenhang könnte das individuelle Lüften bald vorbei sein. Diskutiert wird die Verpflichtung zu automatisierten Lüftungsanlagen im Wohnbereich. Betroffen wären zunächst Neubauten; je nach Technik kostet der Einbau einige Tausend Euro. Aber irgendwann müssten auch die knapp 20 Millionen bestehenden Wohngebäude umgerüstet werden. Viele Fachleute und Ärzte halten das für den falschen Weg,“ sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.
Leider breite sich Schimmel in Wohnungen und Einfamilienhäusern, Schulen und Büros aus. Das Lüften sei zum Problem geworden - beziehungsweise das Nicht- oder Falschlüften. „Studien zeigen, dass bis zu 22 Prozent der Wohnungen Feuchteschäden aufweisen und unzureichend belüftete Wohnungen ein um 60 bis 70 Prozent erhöhtes Risiko für Schimmelpilzschäden haben. Die Kosten werden auf vier Milliarden Euro jährlich geschätzt,“ darauf weist der Mieterverein hin.
Die Zahl der Schimmelpilzallergiker sei in Deutschland bereits auf mehr als neun Millionen Menschen angestiegen. Der Weltgesundheitsorganisation zufolge steige das Risiko für Atemwegserkrankungen und Asthma um bis zu 75 Prozent, wenn sich Menschen dauerhaft in Räumen mit Schimmelbefall aufhalten. 90 Prozent seiner Zeit verbringt der Mensch in Gebäuden. Schimmel ist gefährlich. Er löst Atemnot, Husten, Schnupfen, Hautreizungen oder Kopfschmerzen aus. Schimmel kann Entzündungen oder Infektionen verursachen. Er wächst auf Holz, Tapeten oder Teppichböden, stets aber dort, wo es feucht ist.
„Ursächlich ist der Mensch oft selbst: Eine Familie – Vater, Mutter und zwei Kinder - erzeugt allein mit den täglichen Aktivitäten zehn Liter Feuchtigkeit. Dazu kommen: Kochen, Duschen und Baden. Selbst Zimmerpflanzen machen aus Wohnungen Feuchtbiotope. Vor allem aber deshalb, weil die Häuser immer dichter werden. Das ist der "Käseglockeneffekt": Als die Häuser noch nicht mit Wärmedämmplatten und perfekten Fenstern ausgestattet waren, gab es einen natürlichen Luftwechsel. Kritisch wird es laut den Energieexperten des Verbraucherzentrale, wenn die relative Luftfeuchtigkeit über längere Zeiträume mehr als 60 Prozent beträgt. Das kann man mit einem Hygrothermometer gut kontrollieren,“ erklärt Kaisers. Und er fügt hinzu: „Eindeutig lassen sich aber nur rund 25-30% der Schimmelfälle auf falsches Lüftungsverhalten zurückführen, 25-30% beruhen auf Baumängeln und der Rest ist nicht klar zurortbar.“
Oft werde verlangt, dass die Bewohner mehr lüften. Aber die klassische Hausfrau sei in den Städten und Vororten zunehmend abhanden gekommen. Singlehaushalte nehmen dramatisch zu. Die Mobilität ebenso.  Auch die Gerichte haben sich schon mit dem Thema Lüfthäufigkeit befasst. Überwiegend sind sie der Ansicht und folgen dabei den Gutachtern, dass eine 3-4malige tägliche Stoßlüftung (ca. fünf Minuten) oder Durchzug üblich sei und mehr nicht verlangt werden könne. Gerade entschied das Landgericht in Berlin in einen Fall, in dem der Vermieter 6-maliges Lüften am Tag verlangt hatte, dass dieses Ansinnen unverhältnismäßig und nicht zumutbar sei.
Angesichts der Schimmelprobleme ist es so, als läge ein Fluch des verstorbenen Friedensreich Hundertwasser auf dem Land. Der verfasste einst, in den gut belüfteten 50er-Jahren, das "Verschimmelungsmanifest", um gegen das ungesunde Wohnen in modernistischen Bauten zu protestieren. Diese "sollen verschimmeln". Heute scheint er Recht zu behalten.