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25.07.16 - 16:14 Uhr

Mieterverein bewertet Wohnbau-Geschäftsbericht 2015

Wie schon in den Vorjahren zeigt der von der Wohnbau vorgelegte Geschäftsbericht für das Jahr 2015, dass das städtische Unternehmen seine investiven Mittel weiterhin nahezu ganz in die Bestandspflege fließen lässt. Der dringend benötigte Neubau bezahlbarer Wohnungen wird vernachlässigt“, kritisiert der Mieterverein.

„So flossen von den Bauauftragsmitteln in Höhe von 19,6 Mill. Euro nur 1,11 Mill. Euro in den Neubau, ein Projekt von 12 altengerechten Wohnungen in der Innenstadt. Für das nächste Jahr sind zwar im Rahmen des städtischen Investitionsprogramms 24 öffentlich geförderte Wohnungen in der Nordstadt und 16 in der Henriette-Fürth-Straße geplant,  Aber das ist angesichts der Warteliste von 1.500 Mietinteressenten viel zu wenig“, beklagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Er verweist dabei auf den Rückgang der preisgebundenen Wohnungen bei der Wohnbau. Im Jahre 2000 seien von den gut 7.100 Wohnungen des Unternehmens noch ca. 3.800 in der Preisbindung gewesen, zurzeit sind es nur noch 1.887. In fünf Jahren werden es nurmehr die Hälfte davon sein.

Die Wohnbau betont in dem Zusammenhang, dass sie sich dem „Konzept der sozialen Miete“ verpflichtet fühle, das heißt ihre Mieter vor unangemessenen Mietsteigerungen und vor der Verdrängung schützen wolle, insbesondere nach der von ihr betriebenen energetischen Modernisierung. Sie verweist stolz auf die Mietdeckelung von 6,50 Euro/qm bei umfangreich sanierten Objekten. „Aber selbst diese Selbstverpflichtung und der vom Jobcenter gewährte Energiebonus reichen nicht aus, um insbesondere die Empfänger staatlicher Transferleistungen (Hartz IV) davor zu schützen, dass sie ausziehen müssen, weil sie ihre Miete nicht mehr zahlen können. Das Unternehem bemüht die abgegriffene Leerformel von der angeblichen Nachhaltigkeit, um die von ihm praktizierte „hocheffiziente energetische Modernisierung“ zu rechtfertigen. Dabei gibt es daran erhebliche Zweifel, was die wirtschaftliche und die technische Seite anlangt. Es finden sich dafür auch kaum Nachahmer. Deshalb ist es erfreulich, wenn die Wohnbau selber erklärt, dass der von ihr  eingeschlagene Weg  überprüft und andere Möglichkeiten ausgelotet werden sollen,“ sagt Kaisers.

„Obwohl die meisten Wohnungen der Wohnbau im Mietpreis noch unter 6 Euro/qm Kaltmiete liegen, hat sie auch an der Mietpreisschraube gedreht, wie den Ertragszahlen zu entnehmen ist. Bei den Neuvermietungen freier Wohnungen war der Mietanstieg mit rund 2,5 Prozent noch moderat, wenngleich über der allgemeinen Inflationsrate. Aber im Flussstraßenviertel, einem Sanierungsgebiet, stiegen die Kaltmieten in den letzten drei Jahren um 15 Prozent, obwohl sich an der Wohnqualität dort nichts verbessert hat. Wie passt das zu dem Versprechen, dass dieses Quartier ein „sozialer Schutzraum“ bleiben werde“? fragt man beim Mieterverein und fordert einen Mietenstopp für die nächsten 2-3 Jahre.

Das Geschäftsergebnis weist einen Gewinn von 3,93 Mill. Euro aus. Das sind 1,5 Mill. Euro mehr als im Vorjahr. Die soliden Finanzen mit einer guten Eigenkapitalquote (22,4 %) lassen es also zu, dass die kommunale Wohnbau ihre Anstrengungen im Neubau öffentlich geförderter Wohnungen deutlich und rasch verstärkt und damit ihren angemessenen Beitrag zur Reduzierung der steigenden Wohnungsnot in Gießen leistet.