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23.05.16 - 13:38 Uhr

Fehlentwicklungen bei der Stadtentwicklung vermeiden

„Der dringend notwendige Neubau von Sozialwohnungen in Gießen, die Bedarfszahl von 3000 Einheiten steht im Raum, sollte gut verteilt in der Stadt und nicht an einzelnen Punkten verdichtet erfolgen“. Das fordert der Mieterverein und verlangt einen Strategiewechsel beim sozialen Wohnungsbau.

Der neue Magistrat habe es selbst in der Hand, bei der Stadtentwicklung Fehlentwicklungen zu vermeiden. Leider habe man bislang in Gießen eine Sozialquote für Neubauprojekte nicht umgesetzt, womit sich eine soziale Durchmischung von Quartieren am besten sicherstellen lasse. „Die Erhaltung des sozialen Friedens in der Stadt verlangt nun, dass die auf preiswerten Wohnraum angewiesene Stammbevölkerung nicht mit Flüchtlingen und Wohnungslosen in einen Wettlauf um bezahlbaren Wohnraum eintritt und verschiedene Bedarfsgruppen nicht gegeneinander ausgespielt werden,“ heißt es in der Erklärung des  Mietervereins.
In Gießen stoße die weitere Verdichtung der Wohnbebauung in der Innenstadt an ihre natürlichen Grenzen, weil es kaum noch Bauland gebe und der innerstädtische Baugrund zudem sehr teuer ist. Man müsse deshalb wohl auf Stadtrandbereiche ausweichen. „Sozialwohnungen müssen dann gerecht auf alle Stadtteile verteilt werden. Dabei ist  darauf zu achten, dass bei dem notwendigen Neubau in großem Stil keine  größeren Ansammlungen von Sozialwohnungen entstehen. Denn wenn sich generell ärmere Bevölkerungsschichten in bestimmten Gebieten konzentrieren, weil sie sich aufgrund der Mietpreise nicht aussuchen können, wo sie wohnen, verstärke das die soziale Benachteiligung. „Bei der Belegung der Quartiere muss deshalb unbedingt dafür gesorgt werden, dass Bewohner aus den Mittelschichten (die Erzieherin, der Einzelhandelskaufmann, der Berufskraftfahrer oder die Lageristin), Studenten, sozial Schwächere und Flüchtlinge gemeinsam in den Mietshäusern wohnen. Die kleine „Gesellschaft für soziales Wohnen“ (GSW) zeigt mit ihrem Wohnprojekt Pendleton-Barracks, dass das machbar ist. Einseitige Bewohnerstrukturen, so lehrt die Erfahrung, führen auch schnell zu Konflikten. Migranten etwa dürfen nicht erneut ins Exil geraten - in das Exil billiger Ghettoarchitektur“, verlangt der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers. „Die Idee mancher Stadtplaner, wonach die Flüchtlinge doch ihre eigenen Stadtteile nachbilden sollen - je nach Herkunft - erscheint als ein little Absurdistan. Denn die sozialverträgliche Integration der Fremden gelingt dann am ehesten, wenn sich die Differenzen zunehmend auflösen. Ein „Klein-Aleppo“ ist genau das Gegenteil davon,“ so Kaisers. Die Stadtteile Marzahn und Kreuzberg in Berlin oder Duisburg-Marxloh können als Abschreckungsbeispiele für solche Fehlentwicklungen dienen.