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16.05.16 - 14:00 Uhr

Vonovia-Hauptversammlung: Wenn Wohnen teurer wird

weiterhin viele Ungereimtheiten bei den Betriebskosten

„Die Gewinne und Aktienkurse steigen, doch für die Mieter des deutschlandweit größten Wohnungsunternehmens Vonovia, das auch in Gießen etliche Wohnungen besitzt, heißt das vor allem eines: Steigende Mieten und Betriebskosten“, kritisiert der Mieterverein.

Bereits im März dieses Jahres konnte Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen, die Vonovia SE, bei der Vorstellung ihres Geschäftsberichts eine Verdopplung des Ergebnisses verkünden. Dabei verwies man trotz gescheiterter Übernahme des größten Konkurrenten, der Deutsche Wohnen AG, auf die bilanziellen Kennzahlen:  Die Mieteinnahmen stiegen in 2015 um 79,2%, der Unternehmenswert und das operative Ergebnis entwickelten sich noch besser. Hintergrund dieses sprunghaften Anstiegs ist u.a. die Integration der Gagfah- und SÜDEWO-Bestände. Auch eine Erhöhung der Dividende um 27% wurde vorgeschlagen.

Auf der Hauptversammlung des Unternehmens in Düsseldorf am 12.5.2016 habe dieser Vorschlag für gute Stimmung unter den Aktionären gesorgt. Weniger erfreulich zeige sich die Situation jedoch für die Mieterinnen und Mieter. „Die Dividendenerhöhungen wollen erwirtschaftet werden. Dafür werden letztlich die Mieter zur Kasse gebeten“, stellt der Mietervereinsvorsitzende Stefan Kaisers klar und erklärt: „Die Vonovia hat in 2015 die Mietpreise im Schnitt um 2,9% angehoben, das liegt deutlich über der Inflationsrate. Wohnen wird also überdurchschnittlich teurer für die Mieterinnen und Mieter der Vonovia.“

Ein wesentlicher Preistreiber seien die umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen des Unternehmens. In den letzten Jahren hat die Vonovia deutlich mehr in ihre Bestände investiert, jedoch dabei vor allem den Anteil der Modernisierungsmaßnahmen gesteigert. Beim Mieterverein meint man dazu: „Investitionen zur Erhaltung der Wohnungsbestände sind an sich begrüßenswert, jedoch treiben die von der Vonovia durchgeführten Maßnahmen die Mieten in die Höhe. Für immer mehr Mieter ist die Wohnung nach einer Modernisierung kaum noch bezahlbar. Das führt zur Verdrängung von teils langjährigen Bewohnern.“ Vonovia habe zuletzt angekündigt, im laufenden Jahr die Modernisierungsinvestitionen noch einmal deutlich auszuweiten. „Das bestätigt unsere Vermutung, dass es dem Unternehmen in der Frage der Modernisierungen in erster Linie um die Generierung zusätzlicher Gewinne und die Verbesserung der Bilanzen geht“, so Kaisers.

Einen weiteren Kritikpunkt am Unternehmen sieht der Mieterverein bei den jährlich anfallenden Betriebskosten. „Wir sind weiterhin damit konfrontiert, dass sich in den Betriebskostenabrechnungen viele Ungereimtheiten wie immer neue Kostenpositionen wiederfinden“, erläutert Kaisers. Auch würden angebliche Leistungen nicht hinreichend belegt. Bestes Beispiel hierfür seien die Kosten für die Objektbetreuer, bei denen häufig nicht deutlich werde, für welche konkreten Leistungen welche Kosten anfallen. Zweifel an dieser Geschäftspraktik lasse auch der Umstand aufkommen, dass die Objektbetreuertätigkeiten von einer Tochterfirma der Vonovia erbracht würden. Diese erwirtschafte mit ihren Dienstleistungen Gewinne, die sie wiederum an die Muttergesellschaft abführen muss. „Leider hält sich das Unternehmen mit Informationen zu diesem Sachverhalt sehr bedeckt. Sollte das Ziel der Konstruktion sein, Gewinne mit den Betriebskosten zu erwirtschaften, so wäre das schon ein handfester Skandal“, so Kaisers.