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15.03.16 - 15:48 Uhr

Grünanlagen, Straßenbäume und Luftschneisen können das Stadtklima positiv beeinflussen

„Der Klimawandel wird auch an Gießen nicht vorbeigehen. Der vergangene  Sommer ist ein Vorgeschmack auf das, was sich zukünftig öfter zeigen wird. Angesichts der starken Nachverdichtung der Innenstadt mit immer mehr Wohngebäuden wird sich das Stadtklima negativ verändern. Hohe Temperaturen, Hitzewellen und starke Temperaturschwankungen innerhalb kurzer Zeit gefährden zunehmend die Gesundheit der Menschen,“ warnt der Mieterverein. „Die Einsetzung eines Klimabeauftragten, der zukünftige Bauprojekte auf deren Klimaverträglichkeit prüfen soll, wäre sinnvoll. Zusätzlich sollte diese Stelle die Aufgabe erhalten, den CO2-Fingerabdruck der Stadt zu senken, indem Vorschläge für Grün- und Ausgleichsflächen gemacht werden. Auch die Erstellung eines integrierten Klimakonzeptes für die Stadt wäre wünschenswert.“   

Der extremen Hitzeentwicklung in dicht bebauten Städten könne Schneisen entgegenwirken, die frische Luft aus dem Umland in die Stadt leiten und Grünanlagen als Inseln, die das Klima abkühlen. Diese grünen Lungen produzieren Sauerstoff, filtern Feinstaub und Schadstoffe und verbessern so das Klima in der Umgebung. Allerdings nehme die Konkurrenz um die Flächen in der Stadt zu. Nachverdichtung und Ökologie müssen aber kein Widerspruch sein. Es reiche aber nicht, wenn man im Rathaus hochtrabend von „klimagerechter Nachverdichtung“ rede, in der Praxis aber die Erkenntnisse von Klimagutachten in den Wind schlage, wie etwa bei der Bauplanung für das Gleisdreieck Aulweg.

„Ein günstigeres Stadtklima zu schaffen“, sagt der Mietervereinsvorsitzende Stefan Kaisers, „ist längst eine wichtige kommunale Aufgabe. Ein Beitrag dazu ist es, Fassaden und Dächer zu begrünen.“ So entstehe Grün in der Stadt, ohne dass Pflegekosten die kommunalen Kassen belasten. Grüne Fassaden und Dächer könnten einen kleinen Beitrag  zur Verbesserung des Stadtklimas beitragen. In Gießen hätten aber die städtischen Anreize dazu vor der Landesgartenschau nicht gefruchtet. Sie müssten verstetigt werden.

Die Wirkung von Dach- und Fassadenbegrünung halte sich auch in Grenzen. Das Stadtklima werde nicht von begrünten Häusern, sondern vielmehr von großen Parks entscheidend beeinflusst. Davon gebe es in Gießen viel zu wenig. Die Landesgartenschau haben da keinen substanziellen Zuwachs gebracht.
Eine erhebliche Rolle könnten aber auch Straßenbäume spielen: Sie beschatten im Sommer die Häuser zur Abkühlung und lassen im Winter das Sonnenlicht zum Heizen durch. „Bäume in der Stadt begrenzen die Aufheizung, erzeugen Sauerstoff, binden Kohlendioxid und Luftverunreinigungen“, meint man beim Mieterverein und ergänzt: „Es ist mehrfacher Klimaschutz, der zudem dem Wohlbefinden der Menschen dient. In Gießen wie in anderen Städten müssen deshalb in viel mehr Straßen Bäume gepflanzt werden. Die Straßen sollten zu Stadtalleen werden, wie die Liebigstraße oder die Gnauthstraße. Um die Lebenschancen der Bäume zu sichern, müsse das elendige Salzstreuen im Winter  aufhören.

Eine enorm positive Auswirkung auf das Klima in der Stadt hätten vor allem kleine und mittlere Grünflächen, wenn sie nach Größe und Gesamtzahl angemessen im urbanen Raum verteilt seien. „Schon Parks mit der Fläche eines Fußballplatzes entfalten eine große Wirkung auf das umliegende Wohnquartier. Doch auch bei Flächen dieser Größe komme es schnell zum Konflikt: Grünanlage oder Wohnungsbau? „Im urbanen Raum gibt es viele Flächen, die umgenutzt werden könnten, von Brachen bis hin zu ehemaligen Verkehrswegen. Da haben Stadtplaner oft kreativen Spielraum, den sie aber zu selten nutzen“, kritisiert Kaisers. Mit der Organisation von Gartenfesten jedenfalls, wie das die für Umwelt zuständige grüne Bürgermeisterin tue, werde man das ökologische Klima in Gießen nicht dauerhaft verbessern können.