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24.09.15 - 17:51 Uhr

IWU-Gutachten bringt für Mieter kaum Fortschritte

Das Institut für Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt hat für die Landkreise Gießen und Marburg eine Untersuchung über die „Bestimmung von Angemessenheitsgrenzen der Kosten der Heizung(KdH) bzw. eines Klima-Bonus in den Kosten der Unterkunft (KdU)“ erstellt. Beide Leistungssysteme, mit denen nach dem Sozialgesetzbuch den Grundsicherungs- und Hartz4- Empfängern die Wohnkosten erstattet werden, sind rechtlich getrennt zu betrachten, obwohl sie im engen Zusammenhang stehen. Das Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass ein „Klima -Bonus“ hilfreich sein könnte, um die in Anlehnung an den bundesweiten Heizkostenspiegel des Mieterbundes ermittelten durchschnittlichen Wärmeverbrauchskosten bei der Einzelfallprüfung mit der energetischen Qualität des Wohngebäudes zu verzahnen.

„Grundsätzlich begrüßen wir die vorgelegten Ergebnisse als Schritt in die richtige Richtung,“ erklärt man beim Mieterverein. „Danach kann z.B. bei einem energetisch optimierten Gebäudes mit einem Primärenergiebedarf von 80 KWh/qm/Jahr ein Erhöhungsbetrag von 0,80 Euro/qm auf die Bruttokaltmiete aufgeschlagen werden, weil der Energiebedarf wegen der guten energetischen Situation des Hauses um 0,80 Euro/qm gesunken ist. Umgekehrt könnte es bei der Bruttokaltmiete auch Abschläge von bis zu 0,25Euro/qm geben, wenn der Energiebedarf z.B. 260 KWh/qm/Jahr beträgt“, erklärt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers. Und er ergänzt: „Damit kommt das IWU der Forderung des Mieterbundes nach der „Warmmietenneutralität“ entgegen. Die besagt, dass nach der energetischen Verbesserung eines Hauses die Kaltmiete um genau den Betrag steigen kann, um den die Heizkosten sinken. Nur das ist sozialverträglich.“

Doch die Theorie des Gutachtens decke sich leider nicht mit der Realität.  So modernisiere insbesondere die Wohnbau Gießen ihren Wohnungsbestand enorm kostenaufwendig hin zum „Passiv-Haus-Standard“ (15KWh/qm/Jahr). Als Folge davon würden zwar die Energiekosten stark zurückgehen,  um bis zu 1 Euro/qm/Monat, aber die Bruttokaltmiete erhöhe sich um 2-3 Euro/qm/Monat und mehr. Wegen der Sanierung und Modernisierung befänden sich die Wohnungen dann nicht mehr im unteren Bereich des Wohnungsmarktes, sondern im mittleren Segment. Das heißt, sie sind für Leistungsbezieher nicht mehr „angemessen“.
„Die Folge ist, das Jobcenter übernimmt die Mietzuschläge nicht, der Mieter muss ausziehen. Selbst wenn das Jobcenter die Empfehlungen aus dem Gutachten umsetzt, hilft das den Mietern nicht weiter, weil die Deckelung der Bruttokaltmiete mit 6,50Euro/qm bei der Wohnbau zu hoch liegt,“  so Kaisers.