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15.09.15 - 12:19 Uhr

Flüchtlingsstrom erfordert große Anstrengungen im Wohnungsbau

Im rosigen Bild, das die Vertreter der “Willkommenskultur” über die Auswirkungen des großen Zustroms an Asylanten nach Deutschland malen, zeigen sich schon jetzt einige dunkle Stellen. Nach der ersten Begrüßungseuphorie reift die Erkenntnis, dass hochherzige Gefühle nicht ausreichen werden, um die anstehenden großen Probleme menschengerecht zu lösen. Vielmehr sind kühler Verstand und entschlossenes Handeln nötig. Ein zentraler Punkt bei der Integration der vielen Flüchtlinge ist die zeitnahe Versorgung mit angessenem Wohnraum. In den Erstaufnahmestellen und Notunterkünften können die Menschen nicht auf Dauer bleiben. Die sich häufenden Spannungen wegen der quälend engen Unterbringung ohne jegliche Privatsphäre zeigen das deutlich. Aber in den Ballungsgebieten, Groß- und Universitätsstädten wie Gießen ist bezahlbarer Wohnraum schon jetzt knapp. Die Verteilungskämpfe darum im unteren Drittel unserer Gesellschaft sind bereits in vollem Gange. Nun kommen noch 1 Mio. Flüchtlinge hinzu, die zusätzlich nach preiswerten Wohnungen suchen. Es wird einige Zeit brauchen, bis sie in den Arbeitsmarkt integriert sein werden und dann über eigenes Geld verfügen, um sich damit selber eine Bleibe leisten zu können. Ökonomisch betrachtet wäre es ideal, die Flüchtlinge in den ländlichen Gebieten anzusiedeln, die bereits heute unter dem demografischen Wandel leiden, wo schon Wohnungen leerstehen und die Mieten relativ niedrig sind. Das wären z.B. die ost- und nordhessischen Landkreise, die Eifel oder der Westerwald. Weite Teile der ostdeutschen Bundesländer leiden unter Abwanderung der Bevölkerung und verfügen über ein großes Wohnungsangebot. Aber genau diese Regionen sind es, in denen die größte Aversion gegen die Fremden besteht. Die drängen deshalb in die Städte, weil sie dort am ehesten auf Landsleute treffen, weil dort die besseren Arbeitsmöglichkeiten bestehen und ihre eingeschränkte Mobilität kein Nachteil ist. Das verschärft den Verdrängungswettbewerb auf dem Wohnungsmarkt und wird zu sozialen Spannungen führen, wenn nicht schnell neue Sozialwohnungen hinzugebaut werden, die allerdings nicht zu neuen Wohnghettos führen dürfen. Die Bundesregierung muss ein Wohnungsbauprogramm auflegen, das diesen Namen auch verdient. Eine Verdoppelung der Mittel um 518 Mio. Euro wird nicht ausreichen. Rasches Handeln von Politik und Wohnungswirtschaft ist notwendig, wenn man weiß, dass von der Planung bis zur Fertigstellung einer Wohnung nicht selten drei Jahre ins Land gehen. Wer angesichts dieser Situation noch von einem weiteren jährlichen Zuzug in der Größenordnung von 500.000 Menschen spricht, wie der SPD-Vorsitzende Gabriel, hat nicht begriffen, dass auch das wohlhabende Deutschland an seine Aufnahmegrenzen stößt und keine weiteren Flüchtlingswellen verträgt. Das Asylrecht mag keine Obergrenze kennen, jedoch der Wohnungsmarkt schon.