Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können daher diese Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

08.09.15 - 12:06 Uhr

Bundesregierung plant „Wohnzellen“ zur Lösung der Wohnungsmarktprobleme

„Wohnen in Deutschland ist teuer. Weil die meisten Menschen auf der Suche nach einem Heim sind, aber mit begrenzten finanziellen Mitteln auskommen müssen, hat man sich im Bundesbauministerium nun ein neues Förderprogramm ausgedacht. Mit 120 Mill. Euro soll bis Ende 2018 der Bau so genannter „Mikro-Wohnungen“ gefördert werden. Eine Mikro-Wohnung besteht aus 14 m² Wohnraum, Küchenzeile und Mini-Bad, Gesamtgröße 22 m². Zusammengefasst heißt das: Ministerin Hendricks plant die Wohnzelle, zu haben für 260 Euro warm“, erklärt der Mieterverein zur jüngsten Wohnungsinitiative der Bundesregierung. „Natürlich könnte man jetzt finden, dass das begrüßenswerte Aktion ist. Die Mietpreise in den deutschen Großstädten sind für Menschen mit durchschnittlichem Einkommen kaum noch tragbar. Für Studenten ist Wohnen im Zentrum praktisch nicht mehr realisierbar. Dazu kommen die vielen Flüchtlinge, die ja auf Dauer nicht in Sammelquartieren untergebracht werden können. Viele, vielleicht die meisten, werden bleiben – und dann mit den gleichen Widrigkeiten am deutschen Wohnungsmarkt konfrontiert sein wie alle anderen auch. Da ist es doch sinnvoll, wenn man den Bau von Mini-Wohnungen fördert, oder nicht? Das finden wir nicht ! In Wirklichkeit offenbart diese Idee lediglich die Hilflosigkeit deutscher Wohnungspolitik“, kritisiert der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers. Der Grund, warum das Mietniveau vielerorts so gar nicht mehr zum Durchschnittseinkommen passt, sei ja nicht nur, dass in den vergangenen Jahren viel zu wenig gebaut wurde. Die Wohnungen, die entstanden sind, seien für Normalverdiener auch viel zu teuer. Das liege an den viel zu hohen Baupreisen. Wegen der immer strengeren Energieeffizienz-Richtlinien sei das Bauen stetig teurer geworden. „Dass zudem auch noch der soziale Wohnungsbau praktisch zum Erliegen gekommen ist, zeigt, wie kurzsichtig in diesem Politikfeld agiert worden ist“, so Kaisers. „Alle Versuche, die Lage nun kurzfristig zu verbessern, mögen von bester Absicht getragen sein, greifen aber viel zu kurz: Die Mietpreisbremse etwa wird nur einen Bruchteil aller Wohnungen betreffen. Die Anstrengungen beim Neubau werden noch viele Jahre lang nicht ausreichen, um das Preisniveau wegen eines gestiegenen Angebotes ernsthaft zu drücken. Aber das Konzept, Menschen einfach in schubladengroßen Wohnungen unterzubringen, ist - milde ausgedrückt - absurd. Denn diese Idee setzt bei den Ansprüchen der Mieter an. Die sollen offenbar lernen sich stark zu beschränken. Das geht vielleicht noch für eine vorübergehende Zeit als Student oder Auszubildender, aber nicht auf Dauer. Stattdessen muss die Politik überlegen, wie man den Mietmarkt wieder ins Gleichgewicht bekommt. Das Wohnen ist nicht irgendein Gut. Es ist eine existenzielle Frage. Wie man wohnt, hat unmittelbare Auswirkungen darauf, wie man lebt, welche Perspektiven man entwickelt, welche Entscheidungen man sich zutraut, wie glücklich man ist. 14 m² Wohnfläche sind aber keine Lösung, sondern die Kapitulation vor den Problemen“, meint man beim Mieterverein.