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01.09.15 - 18:26 Uhr

Mieterverein fordert auch von Baugenossenschaften viel mehr Neubautätigkeit

“In Gießen herrscht ein Mangel an bezahlbarem Wohnaum. Um den zu beseitigen, müsste mehr gebaut werden. Das tun einige Bauträger, die teure Eigentumswohnungen für Gutverdiener erstellen. Aber die städtische Wohnbau und die Wohnungsbaugenossenschaft Gießen 1894 e.G. (1197     Wohnungen) halten sich beim Neubau diskret zurück,” kritisiert der Mieterverein. Dabei sei der Zweck einer Baugenossenschaft die Bereitstellung von Wohnungen zu bezahlbaren Mieten und nicht die Erzielung einer möglichst hohen Rendite auf die Genossenschaftsanteile. Wer letzteres wolle, müsse börsennotierte Papiere zeichnen.
“Sieht man sich den Geschäftsbericht der Baugenossenschaft Gießen 1894 für 2014 an, so ist dort nachlesbar, dass sie lediglich sechs neue Wohnungen in Linden gebaut hat. Damit steht die Genossenschaft in Gießen nicht alleine. Viele der traditionellen Selbsthilfeeinrichtungen haben in den letzten Jahrzehnten kaum noch neu gebaut, stattdessen ihre Bestände gepflegt”, erklärt der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers. Die meist älteren Mitglieder seien nur schwer vom Neubau zu überzeugen, denn sie hätten ja bereits preiswerten Wohnraum und seien damit zufrieden. Wozu dann also noch in den Neubau investieren? So begründen die Vorstände ihr Vorgehen.  
“Stattdessen erwarten die Genossen eine gute Rendite auf ihre Genossenschaftsanteile und dem kommen die Vorstände bereitwillig nach. Man dreht dann einfach an der Mietschraube und unterscheidet sich damit kaum noch noch von anderen Wohnungsanbietern”, so Kaisers. Bei der Baugenossenschaft 1894 habe die Dividende für 2014 bei beachtlichen 4 Prozent gelegen, es gebe eine solide Eigenkapitalquote und stattliche Rücklagen. Für die mittelfristige Zukunft seien keine wirtschaftlichen Risiken absehbar. Was hindere da an verstärkten Neubauinvestitionen ?
“Wohnungsbaugenossenschaften gerade in größeren Städten und Regionen mit Bevölkerungswachstum haben auch eine gesellschaftliche Aufgabe, der sie sich stellen müssen. Die besteht darin, preiswerten Wohnraum für eine wachsende Zahl an Nachfragern zur Verfügung zu stellen. Und Interessenten gibt es genug, wie die langen Wartelisten beweisen,” heißt es vom Mieterverein. Die Genossenschaftsidee sei ein bewährtes, prinzipiell gutes Modell zur Schaffung von mehr bedarfsgerechtem Wohnraum, aber dazu müsse wohl erst die Trägheit in den Gremien und bei den Mitgliedern überwunden werden. Angesichts einer zu erwartenden Zuwanderung von  800.000 Menschen oder mehr in Deutschland allein in diesem Jahr sei bundesweit der Zubau neuer Wohnungen in der Größe der Stadt Frankfurt nötig.