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04.08.15 - 13:49 Uhr

Kritische Bewertung der Wohnbau-Bilanz 2014 - zu wenig Neubau und weiterhin überzogene Modernisierung -

Der jüngst veröffentlichte Geschäftsbericht der  Wohnbau Gießen GmbH für 2014 gibt dem Mieterverein Anlass zu einer kritischen Bewertung des mit 7099 Wohnungen größten Wohnungsanbieters in Gießen. „Wir verlangen  von der Wohnbau erheblich mehr Anstrengungen beim Zubau preisgünstiger Wohnungen und einen Kurswechsel bei der energetischen Modernisierung, die strikt am Grundsatz der Warmmietenneutralität ausgerichtet sein muss,“ fordert der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

„Positiv bewerten wir das Bemühen des städtischen Unternehmens um die Stadtentwicklung und eine Verbesserung der quartiersbezogenen Infrastruktur in enger Kooperation mit den anderen Akteuren auf dem kommunalen Wohnungsmarkt. Dabei ist die Wohnbau aber leider ganz einseitig ausgerichtet auf die Sanierung und Modernisierung ihres Wohnungsbestandes. Sie trägt so gut wie nichts dazu bei, dass zusätzliche bezahlbare Wohnngen in Gießen geschaffen werden, obwohl der örtliche Wohnungsmarkt erheblich angespannt ist,“ merkt Kaisers an.
„Das machen zwei Zahlen deutlich: 2014 gab das Unternehmen für die Sanierung 4,9 Mio. Euro aus, für den Neubau aber nur lächerliche 100.000 Euro. Und für den Zeitraum 2014/15 will die Wohnbau 20,8 Mio Euro für die umfassende und energetische Modernisierung von 11 Wohnobjekten mit 290 Wohnungen ausgeben. Zwar baut sie zur Zeit in der Neustadt gerade einmal 12 neue öffentlich geförderte Wohnungen. Das ist aber viel zu wenig angesichts des rasanten Schwundes ihres Sozialwohnungsbestandes und der wachsenden Nachfrage danach. Der Warmmietpreis (ohne die kalten Beriebskosten!) für die neuen Wohnungen soll bei 7,80 Euro/qm liegen, was der Wohnbau-Geschäftsführer Reinhard Thies für „sozial, aber nicht kostengünstig“ hält“, so Kaisers und er erklärt dazu: „Die Bruttomiete einer solchen Wohnung wird dann bei 10 Euro/qm liegen. Da kann man nicht von  „Sozialwohnungen“ sprechen. Für wen sollen die denn sein, wenn nicht für die finanziell Schwachen auf dem Wohnungsmarkt“ ?
Anzumerken sei, dass die Wohnbau nur noch über 1877 Sozialwohnungen mit einem preisgünstigen Mietniveau verfügt.

Die Art, wie die Wohnbau seit Jahren ihren Gebäudebestand energetisch modernisiere, stößt weiterhin auf Ablehnung beim Mieterverein. Trotz Ausschöpfung aller öffentlichen Fördertöpfe entstünden wegen des viel zu ambitionierten Sanierungsstandards (Passiv-/Effiizienzhaus 55) sehr hohe Kosten, die dann auf die Mieten aufgeschlagen werden. Um die Belastung nicht ausufern zu lassen, gebe es eine Deckelung der Warmmiete bei 6,50 Euro/qm. „Sozialverträglich“, wie die Wohnbau behauptet, ist das eben nicht. Denn es führt zur Verdrängung (Segregation) von Mietern, vor allem der Gruppe der Transferleistungsbezieher, die solche Mieten nicht mehr bezahlen können. Das Jobcenter zahlt sie nicht,“ kritisiert der Mietervereinsvorsitzende. Den Betroffenen helfe nicht, wenn der Wohnbauchef zutreffend bemerkt, die bestehenden Förderprogramme würden den energetischen Ausbau fokussieren, aber nicht in ausreichendem Maße die sozialen Belange der Mieter. „Die Wohnbau muss da ihre soziale Verpflichtung stärker wahrnehmen, wie das andere kommunale Wohnungsunternehmen tun“, fordert man beim Mieterverein.

Der Geschäftsbericht hebt hervor, dass für die Werterhaltungsmaßnahmen im Gebäudebestand „vornehmlich ökologische Baustoffe“ eingesetzt würden. Dazu zähle das brennbare „Polystyrol“ sicher nicht, das die Wohnbau nach wie vor bevorzugt für die Fassadendämmung ihrer Häuser verbauen lasse. Der Fassadenpfusch mit dem billigen Dämmschaum werde die Wohnbau noch teuer zu stehen kommen. Es gebe längst bessere Alternativen dazu.

„Die Ertragslage des Unternehmens mit einem Jahresüberschuss von 2,43 Mio.Euro kann als respektabel gelten, nicht zuletzt deshalb, weil höhere Erträge aus Mieterhöhungen (+739.000 Euro) und Einsparungen bei den Verwaltungskosten (-396.000 Euro) erreicht werden konnten. Die Wohnbau schwimmt gut auf der Mietanstiegswelle mit. All das ist ganz im Sinne des Rot-Grünen Magistrates, der eine jährliche Dividende von der Wohnbau verlangt, diesmal 365.331,- Euro. In anderen Kommunen ist man da klüger und belässt das Geld im städtischen Wohnungsunternehmen, damit es in neue Wohnungen reinvestiert werden kann,“ so Kaisers.