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16.07.15 - 11:00 Uhr

Klimatisierung des Wohnalltags ist ein Irrweg - Je mehr wir kühlen, desto heißer wird es draußen -

„An die Klimatisierung am Arbeitsplatz und in öffentlichen Räumen oder Geschäften,  im Bus oder Auto haben wir uns längst gewöhnt. Überall wird jetzt weniger geschwitzt - und nicht zuletzt im ICE der Deutschen Bahn, wo man berüchtigterweise im Sommer entweder einen Wollpullover dabei haben oder, bei Ausfall der Anlage, den Erstickungstod fürchten muss, weil es kein Fenster gibt. Wenn wir aber aus unseren gleichmäßig temperierten, kontrolliert gelüfteten Räumen nach draußen blicken, sehen wir, wie dort das Klima immer unberechenbarer wird. Wir tragen selber erheblich dazu bei“, heißt es in einer Presserklärung des Mietervereins.


„Im Zuge der energetischen Modernisierung von Wohngebäuden findet die Klimatechnik immer mehr Einzug auch in unsere Wohnräume. Dort werden verbreitet sogennante „automatische Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung“ installiert, um in den hermetisch gedämmten Innenräumen den Schimmelbefall zu verhindern und Energie zu sparen. Den Hausbewohnern wird dabei versprochen, die neue Haustechnik erzeuge mehr „Behaglichkeit“ und Komfort, verbessere die Gesundheit und sei nachhaltig, was schnell widerlegt werden kann,“ sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

Verschwiegen werden nämlich die vielfältigen Nachteile solch technisch aufwändiger Anlagen. Einer ist zum Beispiel, dass die Lüftungsanlagen kontinuierlich betrieben werden müssen - 24 Stunden am Tag - und damit  viel Strom ziehen. Die US-Amerikaner verbrauchen nur für ihre Klimaanlagen so viel Strom, wie ganz Afrika für alles verbraucht, inklusive Industrie. Es ist schon bemerkenswert, dass der Stromverbrauch einer Stadt wie Frankfurt am Main bereits jetzt im Sommer um 20 Prozent höher liegt als im Winter, - das Ergebnis der Zunahme von immer mehr Klima- und Lüftungsanlagen.  

In Deutschland seien bisher nur etwa 750 000 Klimaanlagen fest in Privatwohnungen installiert. Das habe das Institut für sozial-ökologische Forschung in Frankfurt ermittelt. Aber nach einigen Hitzewellen - etwa der Jahre 2003, 2013 sei das Interesse gestiegen- und jetzt vielleicht auch 2015.
„Dass Klima-und Lüftungsanlagen mittlerweile auch in Deutschland und in Mitteleuropa so populär sind, wie es vor dreißig Jahren noch undenkbar war, fügt sich so in eine globale Bewegung. Der Bedarf an Kühlung und Senkung der Luftfeuchtigkeit reagiert zum Teil schon auf den Klimawandel, den er seinerseits dann wieder befördert. Vereinfacht gesagt:
Je mehr wir kühlen, desto heißer wird es draußen“, meint Kaisers.