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13.04.15 - 18:04 Uhr

Wohnungslosigkeit in Gießen nimmt zu

„Arme und reiche Städte trifft es gleichermaßen. In ganz Deutschland nimmt die Zahl der Wohnungslosen zu. Nach den Schätzungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind hierzulande 260.000 Menschen wohnungslos, bis 2016 sollen 100.000 dazukommen. Das würde für die Stadt Gießen rund 250  Betroffene bedeuten“, erklärt man beim Mieterverein.
„Als „akut wohnunglos“ gelten Menschen, die keine durch Mietvertrag abgesicherte Wohnung oder Eigentumswohnung besitzen. Sie machen „Sofa-Hopping“ bei Freunden und Bekannten an ständig wechselnden Standorten, leben aus dem Koffer. „Odachlos“ sind alle diejenigen, die auf der Straße schlafen, also „Platte“ macht. Exakte Zahlen über ihre Zahl gibt es für die Stadt Gießen nicht, da es keine städtische Anlauf- und Präventionseinrichtung wie in anderen Kommunen gibt. Allein die Arbeiterwohlfahrt (AWO) betreut über 80 Menschen, die ihre staatlichen Transferleistungen täglich ausgezahlt bekommen. Und das ist ein klares Zeichen für Obdachlosigkeit ist“, sagt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.
Wohnungs- und Obdachlosigkeit sei noch immer ein überwiegend männliches Phänomen, rund 2/3 der Betroffenen sind Männer. Aber die Frauen holen hier leider auf. Es sollte besonders aufhorchen lassen, wenn in den letzten Jahren beim Zuwachs der Menschen ohne eigenes Dach über dem Kopf viele jüngere Menschen dabei sind, neben älteren.
„Wo liegen nun die Gründe für den Verlust der Wohnung ? Die Betroffenen sind Gescheiterte aus der Mitte der Gesellschaft. Generell kann man sagen, dass der Verlust sozialer Bindungen eine Ursache ist. Da sind Scheidungen zu nennen, aber auch längere Arbeitslosigkeit oder Suchterkrankungen. Viele Strafgefangene haben nach ihrer Rückkehr ins bürgerliche Leben erhebliche Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden. Viele Vermieter geben ihr Wohnung bevorzugt an zahlungskräftige Mieter. Es ist deshalb nicht zu bestreiten, dass die Zunahme von Armut in unserer Gesellschaft die Wohnungs- und Obdachlosigkeit befördert. Rund 12 Mio. Menschen leben nach dem Armutsbericht der Bundesregierung unter oder knapp über der Armutsgrenze, die bei einem Monatseinkommen von 980,- Euro liegt. Das ist blamabel für eine Wohlstandsgesellschaft wie die deutsche“, kritisiert Kaisers.
Für die Arbeiterwohlfahrt, die die Einrichtung Männerwohnheim Falkweg betreibt, weist der  Leiter der Einrichtung darauf hin, dass viele der Betroffenen in die Verschuldungsspirale geraten und deshalb auch immer öfter von Wohnungslosigkeit bedroht seien. Die Aufenthaltsdauer in den Notunterkünften der Wohlfahrtsträger werde immer länger, weil es auf dem städtischen Wohnungsmarkt kaum noch Wohnungen zu Mietpreisen gibt, die sich Menschen mit kleinem Einkommen noch leisten können. Das bestätigt auf Nachfrage auch die Hilfeeinrichtung für Frauen "Oase" der „Mission Leben“, deren ambulante und stationäre Angebote eine verstärkte Nachfrage zu verzeichnen haben. Hier sei deshalb rasch staatliches Handeln erforderlich. „Dringend notwendig ist ein festes Wohnungskontingent, für das Stadt und Land sorgen müssen.  Die Förderung des Einzelnen mit Wohngeld („Subjektförderung“) reicht nicht aus. Es müssen neue bezahlbare Wohnungen, das heißt preisgebundene Wohnungen, gebaut werden, die sich auch die Bezieher von Transferleistungen leisten können“, so die Forderung des Mietervereins.