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03.03.15 - 09:32 Uhr

Trotz vieler Neubauten steigende Mieten in Gießen

Sozialwohnungen immer mehr Mangelware

„Der Zubau vieler neuer Wohnungen in Gießen hat sich bislang nicht dämpfend auf die Mietpreise ausgewirkt“, stellt man beim Mieterverein bedauernd fest. Nach den Feststellungen des Immobilienverbandes Deutschland (IVD) sind die Kaltmieten in Gießen auch im Jahr 2014 weiter gestiegen: um durchschnittlich 5,3 % für mittelgroße Wohnungen. 

Ähnliches vermittelt das Internet-Portal „wohnungsbörse.net“, über das viele Mieter eine neue Bleibe suchen. Danach liegen die Kaltmietpreise für kleinere, mittlere und große Wohnungen in der Stadt im Durchschnitt bei 9,51 Euro/qm. Neubaumieten dürften noch deutlich darüber liegen. Am stärksten stiegen mit 10,5% die Mieten für Kleinwohnungen von 30qm. Das mache deutlich, dass die Mietpreisbremse auch für Gießen überfällig sei, um die Dynamik des Anstieges zu dämpfen. Der Magistrat hatte dies unverständlicher Weise noch bis zum Sommer 2014 für nicht erforderlich gehalten. 

„Vor allem sind mit den Neubauten keine Wohnungen entstanden, deren Mieten auch Menschen mit kleinen Einkommen bezahlen können. Die neuen Wohnungen werden von den Investoren durchweg als Eigentumswohnungen vermarktet. Um bei den hohen Kaufpreisen eine vernünftige Rendite zu erzielen, müssen die Käufer die gestiegenen Preise an die Mieter weitergeben“, kritisiert der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

Die Hoffnung des Magistrates, mit seiner Baupolitik eine bessere Wohnraumversorgung für alle Einkommensschichten zu erreichen und den Mietpreisanstieg zu bremsen,  sei ein Trugschluss. Beim Mieterverein verweist man darauf, dass ständig steigende Mieten ein entscheidender Faktor für die Armutsgefährdung sind. Sie führten auch zur Gentrifizierung, d.h. Bewohner mit einem niedrigeren Sozialstatus werden ersetzt oder aus der Stadt verdrängt. 

Der Mieterverein fordert deshalb: „Wir brauchen bezahlbare Mieten. Und die gibt es nur, wenn endlich neue Sozialwohnungen zugebaut werden. Es ist aber paradox, wenn neue Sozialwohnungen im Mietpreis so teuer sind, dass sie für die bedürftigsten Mieter, etwa die Bezieher von Hartz-4- Leistungen, gar nicht in Frage kommen. 

„Wenn die städtische Wohnbau Gießen GmbH im letzten Jahr die 1200 Wohnungen des Darmstädter Bauvereins  kaufen sollte, wie das der Magistrat angedacht hatte, müssen ja dafür die finanziellen Mittel vorhanden gewesen sein. Diesen Betrag könnte die Wohnbau nun für den Neubau von Sozialwohnungen verwenden,“ schlägt Kaisers vor. Es sei nicht glaubwürdig, wenn der Magistrat ständig auf das Land Hessen zeige, um seine eigene Untätigkeit in puncto Sozialwohnungen zu bemänteln. Dass die Politik das Problem anderen Ortes erkannt und gehandelt habe, zeige die Stadt Hamburg. „Dort wurden in den beiden letzten Jahren jeweils 6000 neue Wohnungen gebaut, davon jeweils 2000 Sozialwohnungen. Hessen förderte im Jahr 2013 nur magere 350 neue Sozialwohnungen“, so Kaisers.