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20.01.15 - 08:30 Uhr

Neue digitale Stromzähler: Nutzenvorteile rechtfertigen Kostenaufwand nicht

„Fast 46 Mill. Stromzähler hängen hierzulande in den Kellern und Fluren der Wohnhäuser. Sie halten fest, wie viel Strom ein Haushalt binnen eines Jahres verbraucht hat. Jahrzehntelang haben diese kargen Daten genügt. Für die smarte, grüne Energiewelt von morgen reichen sie allerdings nicht aus. Die EU hat deshalb das Ziel gesetzt, 80 % der alten, analogen Zähler in Europa bis 2020 durch digitale Messgeräte, sogenannte Smartmeter,  zu ersetzen. Doch lohnt sich das?

Die neuen Stromzähler können Haushalten beim Stromsparen helfen, indem sie den Bewohnern deutlich mehr Informationen zu ihrem Verbrauch liefern. Zudem sollen sie künftig dazu beitragen, Stromangebot und -nachfrage im Netz ins Gleichgewicht zu bringen. 

Die Bundesregierung will ein Verordnungspaket vorlegen, das den technischen und rechtlichen Rahmen für den Austausch der Geräte setzt und zudem festlegt, wer dafür die Kosten trägt. Die etwa 60 – 120 € teure Installation muss bei Neubauten der Bauherr bezahlen; die Betriebskosten, quasi die Zählermiete, in die auch die Abrechnungskosten einfließen – tragen die Bewohner über ihre Stromrechnung. Dies gilt gleichermaßen für Eigentümer wie für Mieter.  

Aber an der Wirtschaftlichkeit der neuen Geräte für die Stromkunden gibt es erhebliche Zweifel. Die Wirtschaftsprüfer von Ernst und Young haben im vergangenen Jahr in einer vom Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegebenen Studie ausgerechnet, dass Haushalte ihre Stromkosten mit einem so genannten Smart-Meter um gerade einmal 1,2 % – 1,8 % senken können. Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3.500 kWh im Jahr entspricht das im besten Fall einer Ersparnis von 20 €. Die Kosten für das Messsystem betragen aber laut der Studie im Durchschnitt jährlich 89 €. Die Studie kommt zu dem eindeutigen Fazit: Eine breite Einführung der Smart-Meter sei für Deutschland nicht wirtschaftlich. Sie führe „für einen Großteil der Endkunden zu unverhältnismäßig hohen Kostenbelastungen“. 

Die Bundesregierung will diese Kritik bei der Smart-Meter-Einführung berücksichtigen. Maßgeblich sei „ein ausgewogenes Verhältnis zwischen möglichen Kosten und möglichen Nutzen für den Verbraucher sowie ein Mechanismus zum Schutz vor unverhältnismäßigen finanziellen Belastungen“. Haushalte sollten lediglich mit einer abgespeckten, deutlich günstigeren Version der digitalen Zähler ausgestattet werden, die zwar den aktuellen Verbrauch anzeigt, aber keine automatische Steuerung der Elektrogeräte erlaubt. Die Zähler müssten lediglich einmal im Monat an den Versorger übermitteln, wie viel Strom verbraucht worden sei. Daraus ließen sich keine Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Kunden ziehen. Wie viel Energie in welchem Moment verbraucht wurde, bliebe Geheimnis der Kunden.