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12.01.15 - 11:31 Uhr

Dicke Fassadendämmung an Wohngebäuden oft unsinnig

Weil die energetische Modernisierung an vielen Wohngebäuden oft mit wenig Sinn durchgeführt wird, ergeben sich hohe Kosten. Und der Nutzen für die Bewohner ist eher gering. Das zeigt sich an der Art, wie die Fassadendämmung vorgenommen wird.

„Geht man durch die Stadt, fällt auf, dass als Teil der energetischen Modernisierung die Außenfassaden gedämmt werden. Dazu wird oft ein Wärmedämmverbundsystem (WDVS) aus 30 cm dickem Polystyrol angebracht. Ist aber eine Verbauung in dieser Stärke überhaupt notwendig ? Nein, man könnte ohne energetische Nachteile auch ein nur 15 cm dickes Isoliermaterial verwenden,“ heißt es in einer Presseerklärung des Mietervereins.

Um das zu verstehen, muss man das technische Maß für den Wärmedurchgang durch ein Bauteil, den sog. „U-Wert“, betrachten. Damit wird ausgedrückt, welche Energieleistung pro Quadratmeter des Bauteils auf einer Seite benötigt wird, um eine Temperaturdifferenz von 1 Kelvin ( 273,15 Kelvin sind umgerechnet 0°Celsius) aufrecht zu erhalten. Es gilt die Regel:  je kleiner der U-Wert ist, desto besser, weil weniger Wärme durch das Bauteil geleitet wird. An der Grafik wird deutlich, dass der Wärmeverlust  einer 15 cm dicken Dämmstoffschicht nur um 0,1 U schlechter ist als bei einer 30 cm starken Schicht. Das heißt, die Differenz  ist verschwindend gering.

„Die 30 cm starke Dämmstoffschicht führt nur dazu, dass sich an den Fenstern der sog. „Schießscharten-Effekt“ verstärkt. Das heißt, die Fenster liegen noch weiter in der Mauerleibung, was zur Folge hat, dass in die Innenräume weniger Licht hineinfällt. Die Bewohner müssen früher das Licht einschalten. Energie wird so nicht gespart - im Gegenteil“, erklärt der Vorsitzende des Mietervereins, Stefan Kaisers.

Warum wird nun die dickere Dämmstoffschicht der dünneren vorgezogen ? Manche Bautechniker meinen immer noch, es gelte auch bei der Dämmung der Grundsatz : viel hilft viel, die doppelte Dicke des Dämmstoffes spare auch doppelt so viel Energie ein. Und die Hersteller des Dämmstoffmaterials freuen sich über größeren Absatz, denn die Industrie verkauft nach Kubikmetern. An der geltenden Energieeinsparverordnung (EnEV) kann es nicht liegen, denn nach ihr wird das gesamte Wohngebäude einer Wärmebilanz unterzogen. Die Verordnung trägt sogar der Erfahrung Rechnung, dass Häuser, die nach 1984 errichtet wurden, gar keine so schlechte Energiebilanz zeigen.

Über die Außenwand verliert ein Gebäude selten mehr als 25 Prozent seiner Wärmeenergie. Und auch diese Verluste kann man nicht zu hundert Prozent verhindern. Also schafft es der Haussanierer mit einer Außendämmung auch nicht, den Energieverlust um ein Viertel zu verringern. Was schon theoretisch nicht geht, ist in der Praxis noch viel ernüchternder. Wenn man die Verbrauchswerte von Gebäuden in den Jahren vor der Sanierung mit den Jahren nach erfolgter Fassadendämmung vergleicht, liegt die tatsächliche Einsparung bei vielleicht gerade einmal zehn Prozent.

„Welcher Schluss müsste daraus gezogen werden ? Bauherren sollten mit der aufwändigen und deshalb teuren Sanierung der Fassade eher zurückhaltend umgehen und erst einmal die die anderen technischen Möglichkeiten nutzen, um Energie einzusparen. Es gilt, dort etwas zu tun, wo wirklich hervorragende Ergebnisse erreicht werden können  und sich die Investition zeitnah amortisiert. Das liegt eben selten im Bereich der Außenfassade,“ meint man beim Mieterverein.