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18.11.14 - 15:38 Uhr

Mieterverein : Energetische Modernisierung der Wohnbau rechnet sich für Mieter nicht

 

„Nach einer Analyse der Betriebskostenabrechnungen der Jahre 2011-2013 für eine Wohnung in der Wohnbau-Liegenschaft Trieb 3, die von dem städtischen Wohnungsunternehmen im Jahre 2012 aufwändig energetisch modernisiert worden ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass die Mieter für die Maßnahmen kräftig draufzahlen. Die Versprechungen der Wohnbau für die Mieter haben sich nicht erfüllt“, heißt es vom Mieterverein. „Unser Forderung ist deshalb die Warmmietenneutralität, d.h. die Kaltmiete darf nur in dem Umfang steigen, wie die Heizkosten aufgrund der Modernisierung sinken. Alles andere ist nicht sozialverträglich und führt zur Mieterverdrängung, die man auch bereits feststellen kann.“

 

Die Überprüfung ergab: Für eine Wohnung mit 69 qm Wohnfläche wurde die Kaltmiete Anfang 2013 um 73 Prozent von 237,90 auf 411,80 Euro angehoben, weil man 11 Prozent der Modernisierungskosten auf die Miete aufgeschlagen hat. Dabei wurde im Haus bei den Bestandsmietern die Kaltmiete auf 6,80 Euro/qm gedeckelt, um die Mieten nicht völlig ausufern zu lassen. Bei Neuvermietungen verlangt die Wohnbau sogar 7,64 Euro/qm.

 

Dem drastischen Mietanstieg steht nun eine Wärmekosteneinsparung von nur 94,03 Euro im Jahr gegenüber. Zwar ist der Wärmeverbrauch im Haus um 65 Prozent gesunken,  aber die Wärmekosten für den Mieter nur um 40 Prozent. Und 2013 war ein relativ warmes Jahr. Als Folge der energetischen Modernisierung stiegen die Heizungsbetriebskosten für das Haus, weil neue Energie-Erfassungsgeräte installiert und gemietet wurden. Den Mietern wurde im Vorfeld der Umstellung noch gesagt, eigentlich brauche man gar keine Wärmeerfassungsgeräte mehr angesichts des stark sinkenden Wärmebedarfs“, erklärt der Mietervereinsvorsitzende, Stefan Kaisers.

Dabei sind diese Feststellungen nur eine Momentaufnahme. Weitere Kosten werden auf die Mieter aufgrund der neu installierten dezentralen automatischen Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung in den Wohnungen zukommen: der Stromverbrauch erhöht sich deutlich, wenn die Anlage ganzjährig in Betrieb ist (> 200 Euro/Jahr). Man muss es schon eine ökologische Absurdität nennen, wenn eine aufwändige Lüftungstechnik für die Regulierung des Klimas sorgen soll, das sie selbst, als Stromfresser, negativ verändert. Als zusätzliche Ausgabe kommt mindestens einmal im Jahr der Wechsel des Luftfilters in jeder Wohnung hinzu (120 Euro). Andere Wartungskosten sind da noch gar nicht berücksichtigt.

 

Der Mieterverein stellt deshalb die Frage, wem energetische Modernisierungen dieser Art eigentlich nützen. Trotz hoher öffentlicher Zuschüsse für solche Maßnahmen ergebe sich keine akzeptable Kostenbelastung für die Mieter. Eine 10-Jahres-Amortisation sei kaum zu erwarten und das verstoße gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot des Energieeinspargesetzes (EnEG). So ergeben sich die Forderungen :

- Art und Umfang der Modernisierung müssen dringend überprüft werden. Die mit Styropur vollwärmegeschützten Wände sind Fassadenpfusch, das Gegenteil von Fortschritt.

- Die Finanzierung der energetischen Modernisierung sollte zeitlich länger gestreckt werden, damit nicht die Mieter von heute für die möglichen Vorteile der Mieter von morgen zahlen müssen.

Außerdem müssen die Lasten gerechter verteilt werden: auf Mieter, Vermieter und Staat zu gleichen Teilen.

- Die Umlage der Modernisierungskosten mit 11 Prozent auf die Miete wurde seinerzeit ins Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) eingefügt, um kleinere Investitionen in der Wohnung, wie etwa eine Badezimmererneuerung, zu finanzieren. Damals ging man nicht von Investitionskosten in Höhe von 20.000 Euro und mehr pro Wohnung für die energetische Modernisierung aus.  Vor allem

„Die energetische Modernisierung der Wohnbau gehe weiter, erklärten der Chef der Wohnbau und die Aufsichtsratsvorsitzende des Unternehmens, Frau Grabe-Bolz, auf der Auftaktveranstaltung für das Wohnraumversorgungskonzept. „Sie geht technisch weiter in die falsche Richtung und voll zu Lasten der Mieterschaft“, meint der Mietervereinsvorsitzende.