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24.09.13 - 11:18 Uhr

Wohnbau missachtet mit ihrer energetischen Modernisierung die CO2-Bilanz

Das Ergebnis : zwar sinken die Heizkosten stark, dafür werden aber die Mieter mit einer drastischen Mietanhebung auf 6,- Euro/Monat konfrontiert. Zusätzlich fallen Nebenkostenvorauszahlungen in Höhe von 57,- Euro/Monat an, ggf. auch noch Zusatz-Heizkosten. Die Wohnbau verkauft das als non-plus-ultra einer gelungenen hocheffizienten energetischen Modernisierung im KfW-55-Standard. Wir nennen es Dämmfieber“, heißt es in der Presseerklärung des Mietervereins.

Die Wohnbau laufe mit ihrem Konzept der Reduzierung des Heizenergieverbrauchs in eine Sackgasse. Zum einen würden die Mieter einem harten finanziellen Belastungstest unterzogen. Zum anderen sei eine solche Sanierung auch technisch mehr als zweifelhaft, da sie letztlich doch erfolge, um den CO2- Ausstoß zu reduzieren. Hier beginne schon das Problem, denn Energieberater würden bei ihrer Wärmebedarfsanalyse nicht messen, wie viel Heizenergie im Haus tatsächlich verbraucht wird, sondern berechnen, wie viel verbraucht wird, um die Räume rund um die Uhr auf 20 Grad Celsius zu bringen.

„Das aber ist völlig veraltet, wie die Ergebnisse der Wärmemessdienste zeigen. Mieter sparen heute verbreitet bewusst an Energie. Am anderen Ende der Skala stellt sich noch ein anderer Effekt ein. In energetisch sanierten Gebäuden tendieren die Bewohner stärker dazu, mehr Energie zu verbrauchen als zuvor vorausberechnet wurde. So schnurrt das berechnete Sparpotential also von zwei Seiten zusammen“, heißt es beim Mieterverein.

Der reale Verbrauchswert sei also ganz anders als der theoretisch errechnete Betrag, die Werte differieren um bis zu 50 Prozent. Die Energieeinsparverordnung nehme auf solche Feinheiten keine Rücksicht, obwohl das Regelwerk inzwischen auf 1000 Seiten angewachsen sei. Es werde deshalb weiter gedämmt, was das Zeug hält – zur großen Freude der Dämmstoffindustrie.

Laut Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes zahle ein Mieter im Durchschnitt 1,09 Euro/m² für Heizkosten und Warmwasser. Sänken wegen der energetischen Modernisierung die Kosten um 80 Prozent, wie das die Wohnbau stets behauptet, lägen die Einsparungen bei 156,96 Euro/m² in 15 Jahren. Eine „hocheffektive Vollsanierung auf den Passivhausstandard“ koste aber ein Vielfaches davon. Selbst das Argument der jährlich zu erwartenden Energiepreissteigerungen habe geringere Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit energetischer Modernisierungen als verbreitet angenommen. Wie Modellrechnungen der TU Darmstadt zeigen, sei sogar bei einer Verdreifachung der Energiepreissteigerungsrate (z.B. von 6% auf 18% pro Jahr) die Kostensteigerung im Durchschnitt der nächsten 10 Jahre nicht so hoch, dass sich die Aufwendungen für eine energetische Modernisierung rechnen. Leider unterbleibe auch im Wiesecker Weg 90 wieder eine Instandhaltung im gesamten Haus. Die Mieter müssen weiterhin in Wohnungen mit einer über 40 Jahre alten Ausstattung (Bäder, Fußböden,...) leben.

„Die bei der Sanierung der Wohnbau verbauten 30cm dicken Wärmedämmschichten sind deshalb Ausdruck einer unreflektierten Wärmedämmhysterie. Solche Dämmung lohnt sich nicht, weder finanziell noch ökologisch. Es fehlt eine CO2-Gesamtbilanz. Wenn man Wärmeenergie einsparen will, muss man auch überlegen, wie viel CO2-Emissionen bei der Herstellung, dem Transport, dem Einbau und der späteren Entsorgung des Problemdämmstoffs Polystyrol als Sondermüll entstehen. Und der Stromverbrauch wird in den Häusern ansteigen“, heißt es in der Erklärung des Mietervereins.

Der Tanker Wohnbau müsse endlich seinen Sanierungskurs ändern, um nicht auf Grund zu laufen. Bei dem derzeitigen Vorgehen der Wohnbau sei das wohl leider nicht zu erwarten.