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29.09.13 - 11:18 Uhr

Bilanz des scheidenden Wohnbauchefs aus Sicht der Mieter durchwachsen

Auch der Ankauf der ehemaligen US-Siedlungen Dulles und Marshall und die Gründung der Wohnbau-Genossenschaft gehören zu seinen unbestrittenen Verdiensten.

Wenn er sich selber zugute hält, die Wohnbau aus den roten Zahlen gebracht zu haben, so klingt das gut. Es hatte aber den Preis, dass die verbesserte Rentabilität des Unternehmens mit einem deutlich gestiegenen Mietniveau bezahlt wurde. Der rasante Wegfall der Sozialbindungen in einem Großteil des Wohnungsbestandes der Wohnbau hat den Mietanstieg noch beschleunigt. Neue Sozialwohnungen in nennenswerter Zahl wurde in der Zeit von Herrn Behnecke nicht gebaut, was sich heute als nachteilig erweist.

Unter seiner Führung sind die verkrusteten Strukturen bei der Wohnbau leider nicht aufgebrochen worden, eher noch gewachsen. Seine Personalpolitik gehört daher nicht zu den Glanzstücken. „Viele Mieter können davon ein Lied singen und auch wir erleben es im Kontakt mit der Wohnbau hautnah“, merkt der Mietervereinsvorsitzende kritisch an. Da bleibt für den neuen Wohnbauchef Reinhard Thies noch etliches zu tun.

Herr Behneckes ganzer Stolz gilt der von ihm besonders vorangetriebenen energetischen Modernisierung. Niemand bestreitet, dass es hier Handlungsbedarf gibt. Aber an der Art, wie sie von ihm betrieben wird, hat nicht nur der Mieterverein, sondern haben auch die Mietervertreter in den den Gremien der Wohnbau wiederholt Kritik geübt. Sein Gerede von der angeblichen „Alternativlosigkeit“ des Konzeptes ist abgedroschen und unzutreffend. Es gibt immer sinnvolle Alternativen ! Mit seinem Streben nach Durchsetzung des Passivhaus-Standards steht der Wohnbauchef nämlich ziemlich allein da. Die meisten Wohnungsunternehmen, nicht nur in Hessen, lehnen dieses Maximalkonzept ab, weil es die finanzielle Leistungsfähigkeit einer wachsenden Zahl von Mietern überfordert und sich auch für die Mieter langfristig kaum rechnet. Herr Behnecke hat es zu verantworten, dass die Wohnbau, laut Satzung zur Versorgung der Gießener Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum verpflichtet, für ihre hochenergetisch modernisierten Wohnungen Mieten verlangt, die viele Mieter, besonders aber die Bezieher staatlicher Transferleistungen (wie Hartz-4), nicht mehr bezahlen können und deshalb weichen müssen. Die „Kappungsgrenzen“ der Wohnbau sind wirkungslos, wenn die Miethöhen die Angemessenheitsgrenzen für die Unterkunftskosten des Jobcenters nicht berücksichtigen. Und wer meint, den Wohnungsbestand energetisch auf einen Höchststandard modernisieren zu müssen, dabei aber die Instandhaltung in diesen Wohnungen zurückstellt, der handelt an den Wünschen der Mieter vorbei.

Es bleibt zu hoffen, dass die Wohnbau unter ihrem neuen Geschäftsführer über die Art des Modernisierungskurses noch einmal nachdenkt und die Prioritäten neu setzt. Der Mieterverein ist zu sachlichen Gesprächen darüber bereit.