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29.05.13 - 10:59 Uhr

Mieter werden immer mehr zu Melkkühen

Als Grund für diese Entwicklung wird oft das sog. „Investor-Nutzer Dilemma“ angeführt. Es besagt, dass die finanzielle Belastung für die energetische Sanierung nur beim Vermieter anfalle, während der Mieter aufgrund des reduzierten Energiebedarfs eine starke Entlastung erfahre. Deshalb nähmen Vermieter vielfach keine Modernisierung vor, weil das für sie nicht wirtschaftlich sei. An einem kleinen Rechenexempel wird aber klar, dass dieses Dilemma falsch ist und sich eine wirtschaftlich sinnvoll geplante Modernisierungsinvestition des Vermieters sehr wohl für ihn rentiert. „Gehen wir von einer 80 qm großen Wohnung aus, für die eine Investitionssumme von 20.000 Euro angenommen wird. Ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt es schon für 2–3 Prozent Zinsen. Nimmt man einen Zinssatz 3 Prozent und 2 Prozent Tilgung an, sind das bezogen auf 20.000 Euro Investitionssumme jährlich 1.000 Euro Belastung des Investors für Zins und Tilgung. Dem steht die gesetzliche Mieterhöhungsmöglichkeit im Rahmen des § 559 im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) gegenüber. Danach können 11 Prozent der Investitionskosten von 20.000 Euro, d.h 2.200 Euro, auf die Jahresmiete aufgeschlagen werden. Der Mieter hat eine Heizkostenersparnis für von vielleicht monatlich 50,- Euro, im Jahr also 600 Euro. Das bedeutet : der Vermieter erzielt einen Mehrerlös von 1.200 Euro im Jahr (2.200 Euro minus 1.000 Euro für Zins und Tilgung), der Mieter zahlt 1.600 Euro mehr im Jahr (2.200 Euro minus 600 Euro). Wenn das kein Geschäft für den Vermieter ist, dann weiß ich nicht, was man unter „Geschäft“ versteht ! Dabei sind die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten noch gar nicht berücksichtigt“, erklärt der Vorsitzendes des Mietervereins, Stefan Kaisers. Weil die Kosten für die Umlage von 11 Prozent der Investitionssumme auf den Mieter dessen Energieeinsparungen regelmäßig deutlich übersteigen, gibt es längst ein massives „Wohnkosten-Dilemma“. Immer mehr Mieterinnen und Mieter sind wirtschaftlich nicht mehr in der Lage, die gestiegenen Kosten des Wohnens nach einer Modernisierung zu tragen. Die Wohnkostenbelastung liegt für Mieterhaushalte zwischen 35 und 50 Prozent. Mieter werden mehr und mehr zu Melkkühen der Nation. „Der Mieterverein fordert deshalb eine Abschaffung der Mieterhöhungsmöglichkeit nach dem § 559 BGB und die Einbeziehung auch der modernisierten Wohnungen in das System der ortsüblichen Vergleichsmiete. Für eine Übergangszeit sollten aber noch Zuschläge für energetische Modernisierungen gesetzlich festgeschrieben werden.Flankierend dazu müsste ein belastbarer, aussagekräftiger Energieausweis vorgeschrieben werden, der auf dem Energiebedarf ( nicht auf dem Energieverbrauch) beruht. Der Bund muss seine Fördermittel für die energetische Sanierung massiv erhöhen und eine verbesserte Abschreibungsmöglichkeit für energetische Maßnahmen ist notwendig, um Anreize zur Aktivierung weiteren Kapitals zu schaffen.