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21.08.12 - 10:38 Uhr

Kritik an Stadtwerke-Engagement bei Biogasanlagen

Er verweist als Begründung auf verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen. So komme die jüngst publizierte Studie „Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen“ der angesehenen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle zu dem Ergebnis, „dass Biomasse als Energiequelle im großen Maßstab keine wirtschaftliche Option für Deutschland sei. Die Verfügbarkeit der Biomasse sei längst nicht so hoch wie angenommen. Die Intensiv-Landwirtschaft, die sie erzeugen soll, stoße sehr viele klimaschädliche  Treibhausgase aus.“ Kaisers präzisiert: „Die intensive Bewirtschaftung, vor allem beim rasant wachsenden Maisanbau, führt zu ökologischen Schäden wie Gewässerverschmutzung, Verlust der Artenvielfalt und der Bodenfruchtbarkeit und des dort gespeicherten Kohlenstoffs, etwa in Form von Humus, Wurzeln und Holz. Die Gewinnung von Biomasse für den Betrieb von Biogasanlagen erfordert den Einsatz von Maschinen, Düngemitteln und Pestiziden, zu deren Herstellung wiederum fossile Brennstoffe notwendig sind. Und die Umwandlungsprozesse von Biomasse in den Biogas-Reaktoren selber fressen weitere Energie. Von Nachhaltigkeit kann da keine Rede sein.“

 

Außerdem sei längst bekannt, dass die Biogasproduzenten ein heikles Spiel mit zwei starken Treibhausgasen treiben : Methan, der Energieträger im Biogas, befeuert den Treibhauseffekt 25-mal so stark wie CO2 und Lachgas (N2O), das auch entsteht, hat ein 300mal so großes Treibhauspotential wie CO2. „Viele Biogasanlagen sind, wie Untersuchungen gezeigt haben, nicht absolut dicht und die klimaschädlichen Gase entweichen schon beim Normalbetrieb und erst recht bei Betriebsstörungen in nicht unbeträchtlichem Umfang. Zudem verbrennt Biogas wegen seiner geringen Qualität nur unvollständig im Motor - Fachleute sprechen von „Methanschlupf“.  Es genügen schon wenige Prozente des Klimakillers Methan und die Klimabilanz einer Biogasanlage ist negativ. Solche Anlagen sind auch keineswegs intelligente Lückenfüller für die Erzeugung von Biostrom und Wärme, weil sie permanent rund um die Uhr betrieben werden. Im Sommer wird dann viel von der nicht benötigten Wärme verschwendet“, so Kaisers.

 

Die aktuelle Dürre in weiten Teilen der USA mache zudem deutlich, dass es höchste Zeit sei für einen Kurswechsel in der Bioenergiepolitik in Deutschland. Der verstärkte Anbau von Nutzpflanzen für die Energiegewinnung stehe in verschärfter Konkurrenz zur Erzeugung von Nahrungsmitteln. Die Preise für Mais und Weizen seien bereits wieder auf Rekordniveau, was die Ernährungssituation der Menschen in den ärmeren Ländern der Welt verschärfe. „Wenn schon heute 30 Prozent der Maisernte in den vom Staat geförderten Biogasanlagen landen, statt etwa im Futtertrog, führt das nicht nur zu Marktverzerrungen, sondern erhöht weiter den Druck auf die Böden,“ kritisiert etwa der Agrarökonom Detlef Virchow von der Universität Hohenheim. Kaisers meint deshalb: „Solange Menschen in vielen Teilen der Welt hungern, ist es ethisch nicht vertretbar, Biogas aus Mais herzustellen.“ Er rät deshalb den Stadtwerken, aus den Ergebnissen der Forschung endlich Schlüsse zu ziehen und kommt zu dem Ergebnis: „Die Alternativen zur Bioenergie, wie Photovoltaik oder Windenergie, sind nicht nur wesentlich flächeneffizienter, sondern sie verursachen auch geringere Treibhausemissionen und Schäden an der Umwelt.“