Sie verwenden einen veralteten Browser mit Sicherheitsschwachstellen und können daher diese Webseite nicht nutzen.

Hier erfahren Sie, wie einfach Sie Ihren Browser aktualisieren können.

16.12.12 - 10:20 Uhr

Mieterverein weist ruppige Stellungnahme des Chefs der Wohnbau zur Kritik an seinem Modernisierungskonzept zurück

„Um es noch einmal zu verdeutlichen, halte ich der Wohnbau eine kleine Modellrechnung entgegen:

Die Reduktion des Energieverbrauchs für die Beheizung einer 80m² großen Wohnung von rund 200 KWh/m²/Jahr auf 100 KWh/m²/Jahr kostet rund 20.000 Euro. Nach der derzeitig gültigen Rechtslage kann ein Vermieter 11 Prozent der Kosten pro Jahr auf die Miete aufschlagen. Das entspricht einer monatlichen Mieterhöhung in Höhe von 183,33 Euro. Dem steht in der Regel aber nur eine Heizkostenersparnis inklusive Warmwasser in Höhe von 45-50 Euro monatlich gegenüber.“

 Wenn Herr Behnecke stolz darauf verweise, dass nach seinem Konzept der energetischen Maximalsanierung (Passivhaus-Standard) die Heizkosten um 80 Prozent sänken, so geht das nur um den Preis, dass die Kaltmiete stark ansteigt. In dem von der Wohnbau sanierten Mehrfamilienhaus „ Trieb 1“ etwa seien die Bestandsmieten von 3,50 bis 5 Euro je Quadratmeter vor der energetischen Modernisierung auf 6,40 Euro (plus kalte Nebenkosten von ca. 1,80 Euro) nach der Modernisierung gestiegen. Die Mietanhebung betrage also schon im Minimum 30 Prozent. „Die Belastungsgrenze für die unteren  Einkommensschichten ist damit längst überschritten. Den Mietern ist nicht geholfen, wenn sie zwar die Heizkosten bezahlen können, aber die Miete nicht mehr. Wir wollen nicht, dass solche Haushalte in steigender Anzahl gezwungen sind, in unsanierten Wohnungen zu wohnen und die Heizkosten auf dem Wege der Reduzierung der Heizleistung – so weit möglich- zu kompensieren“, so Kaisers.

„Wenn auch die sozialpolitischen Ziele bei der energetischen Sanierung des Wohnungsbestands im Blickfeld bleiben sollen, dann müssen die modernisierten Gebäude, die vor 1979 errichtet wurden, am Ende nicht den Standards von Neubauten entsprechen. Wirtschaftlich und ökologisch ist viel mehr erreicht, wenn ein Gebäude, dessen Beheizung im nicht-modernisierten Zustand 250 kWh pro Quadratmeter im Jahr erfordert, nach der energetischen Modernisierung nur noch 100 kWh pro qm im Jahr verbraucht. Dies bedeutet immerhin eine 60%ige Reduktion bei vergleichsweise moderaten, wirtschaftlichen Investitionen. Und es bietet die Chance, auch baubiologisch nachhaltigere Dämmstoffe und unbedenklichere Bauprodukte einsetzen zu können. Für den Durchsetzungserfolg einer umfassenden energetischen Modernisierung des Wohnungsbestands ist es entscheidend, ob der Kostenanschlag dafür mit 1 Euro/qm Wohnfläche oder mit 2,50 Euro/qm Wohnfläche zu Buche schlägt“, sagt der Mietervereinsvorsitzende.

„Die Kritik an der kostenintensiven und mit vielerlei technischen Risiken (vom Algenbefall bis zum Problem der Schimmelbildung) behafteten Fassadendämmung mit dem Plastikschaum Styropur halten wir aufrecht. Allein die Brandgefahr, die von diesem Werkstoff ausgeht, ist so beträchtlich, dass sie Herrn Behnecke schlaflose Nächte bereiten müsste. Zitiert sei  der leitende Branddirektor in Berlin, Albrecht Broemme, heute Präsident des Technischen Hilfswerks.  Anlässlich eines Fassadengroßbrandes im Jahre 2005 äußerte er sich so: „Wenn die Bewohner solchermaßen gedämmter Häuser um das Brandrisiko wüssten, würden sie wohl auf die Straße gehen“.

Beim Mieterverein hofft man, dass die Wohnbau ihr energetisches Modernisierungskonzept  überdenkt, damit die Mieten bezahlbar bleiben und die Sicherheit der Mieter nicht bedroht ist.  Immer mehr Wohnungsunternehmen wie z.B. im „Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen“ mit seinen 1,1 Mio. Wohnungen gehen längst andere Wege und behalten dabei das Kriterium der Warmmieten-Neutralität fest im Auge.